ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2001Neujahrsempfang der Ärzteschaft: Tausend Gäste und eine selbstbewusste Ministerin

POLITIK

Neujahrsempfang der Ärzteschaft: Tausend Gäste und eine selbstbewusste Ministerin

Dtsch Arztebl 2001; 98(5): A-213 / B-183 / C-171

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LNSLNS Der traditionelle Neujahrsempfang von Bundes­ärzte­kammer
und Kassenärztlicher Bundesvereinigung entwickelt sich am
neuen Standort Berlin zu einem gesellschaftlichen Großereignis.


Wenn die Zahl der Gäste etwas über den gesellschaftlichen Stellenwert des Gastgebers aussagt, dann ist die Ärzteschaft derzeit sehr gefragt. Rund tausend Besucher drängten sich beim Neujahrsempfang der Bundes­ärzte­kammer und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung am 26. Januar in Berlin. Der Empfang in der Bundeshauptstadt, ausgerichtet auf zwei Etagen im Kaufhaus des Westens (KaDeWe), hat inzwischen eine Größenordnung erreicht, die mit den eher bescheidenen Anfängen in Köln kaum mehr vergleichbar ist. Seit Anfang der Neunzigerjahre war dort der Treffpunkt (für rund 250 Gäste) das Brauhaus Sion.
Die Intention des Neujahrsempfangs ist aber auch in Berlin dieselbe geblieben: ein Forum für den ungezwungenen Gedankenaustausch jenseits der offiziellen politischen Anlässe. Dieses Mal verliehen jedoch die aktuellen Entwicklungen der Veranstaltung zusätzliches Gewicht: Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­terin Ulla Schmidt machte den Ärzten – wenige Tage nach der Amtsübernahme – ihre Aufwartung. Sie tat dies couragiert und sozusagen mit ausgebreiteten Armen.
Zwar verschwieg die 51-jährige Sozialdemokratin nicht, dass sie von Gesundheitspolitikern vor dem „Haifischbecken Gesundheitswesen“ gewarnt worden sei. Dennoch freue sie sich auf die Arbeit. „Es ist schön, Sie zu Beginn der Amtszeit in so lockerer Atmosphäre kennen zu lernen und zu hören, wo Sie der Schuh drückt“, sagte die Ministerin und fügte hinzu: „Ich habe gehört, er drückt gewaltig.“ Widerspruch erntete Ulla Schmidt in dieser Hinsicht von den Ärzten nicht. Der Präsident der Bundes­ärzte­kammer, Prof. Dr. med. Jörg-Dietrich Hoppe, und der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Dr. med. Manfred Richter-Reichhelm, hatten schon zuvor die Gelegenheit genutzt, auf Einladung von Bundeskanzler Gerhard Schröder die drängendsten Probleme gemeinsam mit Ulla Schmidt zu erörtern (DÄ, Heft 4/2001).
Guter Anfang beim Kanzler
So blieb für den Neujahrsempfang die spannende Frage, welche Signale die neue Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­terin für die künftige Zusammenarbeit geben würde. Und die waren positiv. Schmidt betonte wiederholt ihre Bereitschaft zum ernsthaften Dialog und zur gemeinsamen Gestaltung der politischen Rahmenbedingungen. Das Gespräch mit dem Bundeskanzler und den Spitzenvertretern der Ärzteschaft sei dafür ein guter Start in einer positiven Atmosphäre gewesen. Auch ihre Vorgängerin Andrea Fischer hatte freilich stets ihre Dialogbereitschaft bekundet. Die wurde dann allerdings über lange Zeit vermisst.
Ulla Schmidt – diesen Eindruck hatten nahezu alle Gäste des Empfangs – ist bemüht, eine Wende im Dialog mit den Ärzten herbeizuführen. Die harten Kontroversen um die Budgetierungspolitik hatten zum Ende der Amtszeit von Andrea Fischer das Gesprächsklima vereist. Schmidt steht für die Hoffnung auf einen Neuanfang, wenngleich sie selbst betonte: „Mit mir hat ein Ministerinnenwechsel und kein Regierungswechsel stattgefunden.“ DÄ


Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­terin Ulla Schmidt beim Neujahrsempfang der Ärzteschaft in Berlin: locker, selbstbewusst und mit der Bereitschaft zum konstruktiven Dialog
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