ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2001104. Deutscher Ärztetag vom 22. bis 25. Mai 2001 in Ludwigshafen: Öffentliche Einladung an die Ärztinnen und Ärzte in Deutschland

POLITIK

104. Deutscher Ärztetag vom 22. bis 25. Mai 2001 in Ludwigshafen: Öffentliche Einladung an die Ärztinnen und Ärzte in Deutschland

Dtsch Arztebl 2001; 98(5): A-214 / B-171 / C-172

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LNSLNS Sehr verehrte Frau Kollegin,
sehr geehrter Herr Kollege,

der 104. Deutsche Ärztetag wird vom 22. bis 25. Mai 2001 in Ludwigshafen stattfinden. Die große Industriestadt am Rhein ist zum ersten Mal Tagungsort der Haupt­ver­samm­lung der Ärzteschaft. Gleichwohl hat Rheinland-Pfalz sich schon immer in besonderer Weise den gesundheitspolitischen Fragen gewidmet. Gerade aus den Reihen der Länder sind in den vergangenen Monaten zunehmend häufiger kritische Stimmen zur Situation im Gesundheitswesen laut geworden. Die Auswirkungen der starren, ausschließlich ökonomisch definierten Budgetierung werden auch auf diesem Ärztetag eines der beherrschenden Themen sein. Die Ärzteschaft hat im Zusammenwirken mit den Partnern des Bündnisses Gesundheit 2000 erreicht, dass immer mehr Patienten den offenkundigen Zusammenhang zwischen Budgetierung und Rationierung erkennen. Auch in der Berichterstattung der Medien wird dieser Zusammenhang durch konkrete Beispiele für Rationierung und Unterversorgung zunehmend häufiger bewusst gemacht. Inzwischen scheint auch die Bundesregierung zu erkennen, dass die Budgetierung ein verfehltes Steuerungsinstrument ist und intelligente Alternativen gesucht werden müssen. Der Bundeskanzler und die neue Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­terin haben zugesagt, vorurteilsfrei zu prüfen, ob bestehende gesetzliche Regelungen wie etwa die sektoralen Budgets für ärztliche Behandlung und Arzneimittel durch andere sinnvolle Regelungen abgelöst werden können. Ob diesen Worten auch Taten folgen, wird sich in den nächsten Monaten zeigen.
Der Ärztetag bietet eine gute Gelegenheit, Politik und Öffentlichkeit die Versorgungssituation aufzuzeigen und die Lösungsvorschläge der Ärzteschaft deutlich zu machen. Die Regierung selbst hat die Notwendigkeit struktureller Reformen erkannt – allerdings beschränkt sich dies bisher lediglich auf die gesetzliche Rentenversicherung. Die demographische Entwicklung hin zu einer Gesellschaft des langen Lebens betrifft aber im gleichen Maße auch die Gesetzliche Kran­ken­ver­siche­rung. Im Gesundheitswesen tritt mit dem medizinischen Fortschritt sogar ein weiterer Kostenfaktor hinzu, dessen Dynamik weithin unterschätzt wird. Strukturelle Änderungen sind daher zwingend notwendig, um die Finanzierungsgrundlagen unseres Gesundheitswesens auf Dauer zu sichern. Ärztinnen und Ärzte müssen wieder in die Lage versetzt werden, ihre Behandlungen und Verordnungen vorrangig am medizinischen Bedarf auszurichten. Auch unter dem Diktat stabiler Beiträge dürfen betriebswirtschaftliche Kriterien keinen Vorrang vor medizinischen Notwendigkeiten haben.
Ein weiterer Schwerpunkt der Beratungen wird die Situation von jungen Ärztinnen und Ärzten sein. Der Ärztetag hat hierzu schon bei früheren Zusammenkünften deutliche Worte gefunden und die Ausbeutung der Arbeitskraft junger Kolleginnen und Kollegen während ihrer Aus- und Weiterbildung im stationären Bereich angeprangert. In Ludwigshafen wird diesem wichtigen und in der Öffentlichkeit noch zu wenig beachteten Thema ein eigener Tagesordnungspunkt gewidmet.
Neben der Gesundheits- und Sozialpolitik steht auch die Novellierung der (Muster-)Weiter­bildungs­ordnung auf der Tagesordnung des Ärztetages. Nach sorgfältiger Vorbereitung wird den Delegierten der erste Entwurf einer überarbeiteten und neu gegliederten Weiter­bildungs­ordnung zur Diskussion und Abstimmung vorgelegt. Der 103. Deutsche Ärztetag 2000 hatte bereits Eckpunkte zur Neustrukturierung des Weiterbildungsrechts der Ärzte verabschiedet und die Bundes­ärzte­kammer mit der Weiterentwicklung der (Muster-)Weiter­bildungs­ordnung beauftragt. In den vergangenen Monaten befassten sich die Weiterbildungsgremien der Bundes­ärzte­kammer mit der Zielsetzung, Begriffe und Definitionen im Weiterbildungsrecht klarer und eindeutig abzugrenzen, um den Ansprüchen und Erfordernissen der dynamischen Entwicklungen in der Medizin gerecht zu werden. Auch zukünftig soll die Weiterbildung die wesentliche Teilmenge des Gebietes abbilden und die obligatorischen Kenntnisse für alle Ärzte der Fachgruppe beschreiben. Darüber hinaus können jedoch innerhalb der Gebietsgrenzen zusätzliche Kompetenzen erworben werden.
Wie in jedem Jahr werden sich die Delegierten des 104. Deutschen Ärztetages auch mit Haushaltsfragen befassen müssen, um auch in Zukunft sicherzustellen, dass neue Aufgaben und Herausforderungen – insbesondere im Hinblick auf den im letzten Jahr beschlossenen Umzug nach Berlin – erfolgreich bewältigt werden können.
Traditionell wird der letzte Tag der Beratungen dem Tätigkeitsbericht der Bundes­ärzte­kammer gewidmet. Dabei wird das gesamte Spektrum der Themen, mit denen sich die Ärzteschaft zu befassen hat, sichtbar werden. In den zurückliegenden Monaten standen häufig medizinisch-ethische Themen im Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion. Die Patentierung von Gensequenzen, die britische Entscheidung zum Klonen von menschlichen Embryonen und die Legalisierung der aktiven Sterbehilfe in den Niederlanden sind einige dieser Themen. Der Ärzteschaft kommt in dieser Debatte um Werte und Normen eine wichtige Rolle zu, weil sie Grenzen des Machbaren und – unter Berufung auf die ethischen Prinzipien des Arztberufs – auch Grenzen des Vertretbaren aufzeigen kann. Dadurch ist es ihr möglich, Diskussionen wie die zur Präimplantationsdiagnostik anzustoßen, ohne in den Verdacht zu geraten, einseitig Partei ergreifen zu wollen. Wem Ludwigshafen hauptsächlich als bedeutender Standort der chemischen Industrie oder als Deutschlands Stadt mit dem zweitgrößten Binnenhafen bekannt ist, wird überrascht sein, was die Stadt sonst noch alles zu bieten hat. Mit 1 000 Hektar öffentlichen Parkanlagen, 130 km Radwegen und vielen kleinen Seen besitzt Ludwigshafen reizvolle Naherholungs- und Naturschutzgebiete in herrlicher Umgebung.
Zudem lockt die Pfalz mit ihrer landschaftlichen Schönheit die Ludwigshafener hinaus in die Weinstraße oder in den Pfälzer Wald, mit Burgen wie dem Trifels und dem Hambacher Schloss, auf dem einst deutsche Geschichte geschrieben wurde. Das bekannte Wilhelm-Hack-Museum, das Schillerhaus und nicht zuletzt die Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz zeigen auf eindrucksvolle Weise, dass neben der Natur die Kultur nicht zu kurz kommt. Sie dürfen sich schon jetzt auf ein in jeder Hinsicht interessantes Rahmenprogramm freuen.
In der Hoffnung, dass neben den Delegierten und den Vertretern ärztlicher Organisationen und Verbände möglichst viele Ärztinnen und Ärzte aus allen Regionen Deutschlands am 104. Deutschen Ärztetag in Ludwigshafen teilnehmen werden, verbleibe ich mit besten Wünschen und einem herzlichen Gruß


Ihr





Prof. Dr. med. Jörg-Dietrich Hoppe
Präsident der Bundes­ärzte­kammer
und des Deutschen Ärztetages


Der Pfalzbau mit der Pfalzsäule auf dem Vorplatz in Ludwigshafen


Metallplastik von Bernar Venet vor dem bekannten Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigshafen


Eröffnungsveranstaltung
Dienstag, 22. Mai 2001
10.00 Uhr Pfalzbau, Theatersaal, Berliner Straße 30, 67059 Ludwigshafen

Programmablauf:
1. Begrüßung durch den Präsidenten der Lan­des­ärz­te­kam­mer Rheinland-Pfalz
2. Grußansprachen
3. Totenehrung
4. Verleihung der Paracelsus-Medaille der deutschen Ärzteschaft
5. Referat des Präsidenten der Bundes­ärzte­kammer und des Deutschen Ärztetages
6. Nationalhymne
(Musikalische Umrahmung)
Empfang:
im Anschluss, circa 13.00 Uhr, der Stadt Ludwigshafen für die Teilnehmer, Delegierten und Gäste des 104. Deutschen Ärztetages im Foyer des Theatersaals im Pfalzbau, Berliner Straße 30, 67059 Ludwigshafen
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