ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2001Mammographie-Screening: Ambivalente Haltung bei Frauen und Ärzten

POLITIK

Mammographie-Screening: Ambivalente Haltung bei Frauen und Ärzten

Dtsch Arztebl 2001; 98(5): A-222 / B-192 / C-178

Richter, Eva A.

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LNSLNS In Bremen sollen jetzt Informationsblätter gedruckt werden.

Die Vorbereitungen zum Modellprojekt „Mammographie-Screening“ sind in Bremen fast abgeschlossen; zumindest laufen sie (trotz bestehender Kontroversen) in die Zielgerade ein. Auf einer Fort- und Weiterbildungsveranstaltung der Ärztekammer Bremen am 20. Januar erläuterte Dr. med. Hans Junkermann, Leiter des Modellprojektes in Bremen, die Details: Noch in diesem Quartal sollen die Einladungen zum Screening vom Gesundheitsamt der Stadt an alle Frauen zwischen 50 und 70 Jahren verschickt werden. Ihnen werde dabei gleich ein konkreter Untersuchungstermin vorgeschlagen. Ziel sei es, so Junkermann, 70 000 Bremer Frauen zu untersuchen.
In zwei speziell eingerichteten Mammographie-Einheiten, nämlich in Bremen-Mitte und Bremen-Nord, werden eigens für das Mammographie-Projekt geschulte MTA mammographieren. Die Aufnahmen sollen im Anschluss durch jeweils zwei spezialisierte Radiologen oder Gynäkologen (5 000 Mammographien jährlich) bewertet werden. Verdachtsfälle nach dieser Doppelbefundung sollen im Team besprochen werden, bevor die Frauen nach einer Woche oder zehn Tagen den Befund erhalten. Junkermann geht davon aus, dass etwa ein bis fünf Prozent der Frauen eine auffällige Mammographie aufweisen werden. Sie sollen wieder bestellt und zu einer Tastuntersuchung, Sonographie oder Biopsie überwiesen werden.
Obwohl die Planung des Mammographie-Screenings in Bremen schon weit gediehen ist, geht die Diskussion um diese Art der Brustkrebs-Früherkennung vorerst nur in eine weitere Runde (DÄ, Hefte 42/2000, 45/2000, 3/2001). In dieser Hinsicht war die Fortbildungsveranstaltung der Ärztekammer Bremen, die von der Kammerpräsidentin Dr. med. Ursula Auerswald moderiert wurde, gleich in zweierlei Hinsicht bemerkenswert. Zum einen waren in dem Hörsaal des Zentralkrankenhauses nicht nur Ärzte versammelt, sondern auch interessierte Laien. Die Kammer hatte den Termin zuvor in der Tagespresse bekannt gegeben.
Vor- und Nachteile abwägen
Zum anderen war auch eine Kritikerin des Screenings als Referentin geladen, Prof. Dr. med. Ingrid Mühlhauser, Hamburg. Sie bemängelt die Art der Informationsübermittlung in Deutschland. Die Frauen müssten über die Vor- und Nachteile des Screenings so aufgeklärt werden, dass sie selbst eine „informierte Entscheidung“ treffen können. Häufig fänden sich aber in den Aufklärungsbroschüren weder das absolute Risiko noch die Rate der falschpositiven und falschnegativen Befunde. So werde manipuliert. Ein Beispiel: Jeweils 100 000 Frauen mit und ohne Mammographie wurden über zehn Jahre hinweg beobachtet. Ergebnis: Die Sterberate am Mammakarzinom lässt sich durch Mammographie um 0,07 Prozent vermindern – rechnerisch sinkt jedoch das relative Risiko um 19 Prozent. Absolute und relative Zahlen wirken offensichtlich ganz unterschiedlich.
Zweifellos können durch Mammographie Karzinome frühzeitig erkannt werden. Sollen durch das Screening möglichst alle Karzinome erkannt werden, müssen falschpositive Befunde in Kauf genommen werden, so Mühlhauser. Da dies für viele Frauen mit Angst verbunden ist, wird eine Teilnahme zu einer sehr emotionalen Entscheidung. In Bremen soll sie jeder Frau selbst überlassen bleiben. Dr. med. Eva A. Richter
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