ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2001Nationaler Aktionsplan Diabetes: „Hohes Ziel ist ehrenwert“

POLITIK

Nationaler Aktionsplan Diabetes: „Hohes Ziel ist ehrenwert“

Dtsch Arztebl 2001; 98(5): A-225 / B-194 / C-180

Richter, Eva A.

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LNSLNS Sachverständige diskutierten im Rahmen einer Anhörung im Bundestag die SPD-Initiative zur Diabetiker-Versorgung.

Eine bessere Versorgung der Diabetiker – diesem Ziel stimmten Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und Bundes­ärzte­kammer (BÄK) während der ersten Anhörung im Deutschen Bundestag zum „Nationalen Aktionsplan Diabetes“ am 24. Januar zu. Gleichzeitig verdeutlichten sie aber das Dilemma, in dem sich die Ärzte befinden: „Wer einen Diabetes-Patienten optimal versorgen will, muss zwangsläufig das Arzneimittelbudget überschreiten“, sagte Prof. Dr. med.
Jan Schulze, Präsident der Sächsischen Lan­des­ärz­te­kam­mer und Diabetes-Experte.
Anlass für die Anhörung war der Initiativantrag der SPD-Fraktion, der Ende vergangenen Jahres Furore machte. Der Antragsteller, Horst Schmidtbauer, SPD, hatte der Ärzteschaft vorgeworfen, sie habe zugelassen, dass sich die Diabetikerversorgung in Deutschland verschlechtert habe. Deshalb solle sich jetzt die Politik mit einem „Nationalen Aktionsplan Diabetes“ in die Versorgung einschalten (DÄ, Heft 50/2000).
Den pauschalen Vorwurf an die Ärzteschaft und einen staatlichen Eingriff in die gesundheitliche Versorgung wiesen KBV und BÄK ausdrücklich zurück. Die Intention des Antrags begrüßen sie jedoch. Bereits bestehende Initiativen dürften allerdings nicht entwertet werden. 18 von 23 KVen haben bereits Verträge zur Diabetikerversorgung mit den gesetzlichen Krankenkassen abgeschlossen, zum Teil trotz großer Schwierigkeiten.
„Neben der Blutzucker-Einstellung bedürfen mindestens 80 Prozent der Diabetiker einer begleitenden Therapie“, sagte Prof. Dr. med. Wolfgang Brech, Vorsitzender der KV Südwürttemberg. Um aber beispielsweise sämtliche Diabetiker auf die empfohlenen Blutdruck- und Lipidwerte einzustellen, müssten in Deutschland zusätzlich drei Milliarden DM für Medikamente ausgegeben werden. Somit wären für die Diabetiker-Versorgung sieben bis neun Milliarden DM oder 20 bis 25 Prozent des Arzneimittelbudgets erforderlich.
Dass die Kosten für einen Diabetiker um ein Vielfaches höher als für manch anderen Patienten sind, räumte auch der Gesundheitsökonom Prof. Dr. med. Karl Lauterbach, Köln, ein. Er glaubt jedoch, dass sich die Diabetiker-Versorgung anhand von Leitlinien auch ohne zusätzliche Aufwendungen verbessern ließe. So könne man die Herzinfarktrate von 60-jährigen Diabetikern durch den Einsatz der relativ preisgünstigen Acetylsalicylsäure um 30 Prozent senken. Dyslipidämie und Hypertonie müssten nicht – wie derzeit – mit den teuersten Medikamenten behandelt werden.
Als „schlecht“ bezeichnete Prof. Dr. med. Werner Scherbaum vom Diabetes-Forschungsinstitut Düsseldorf die Versorgungssituation. Die anvisierte Reduktion der Folgeerkrankungen des Diabetes sei in den letzten Jahren nicht erreicht worden. Dabei ließen sich durch richtige Intervention die Zahl der Amputationen um die Hälfte und die der Erblindungen sowie der neuen Dialysefälle um ein Drittel verringern. Auch KBV und BÄK sehen Versorgungslücken: „Wenn die Versorgungsnetze ausgebaut und stabil finanziert werden, können wir die Defizite beseitigen“, glaubt Schulze. Erfolge seien in einigen KVen bereits sichtbar. Später würden sich dann auch die Folgeerkrankungen reduzieren. Dr. med. Eva A. Richter
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