POLITIK

Nachgefragt

Dtsch Arztebl 2001; 98(5): A-225 / B-194 / C-180

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LNSLNS DÄ: Der Initiativantrag der Regierungsfraktionen zur Diabetikerversorgung wird vielfach als Eingriff in die ärztliche Behandlungskompetenz gewertet. Teilen Sie diese Ansicht?
Schulze: Wenn es seitens der Politik um die Schaffung stabiler Rahmenbedingungen zur besseren Versorgung chronisch Kranker, in diesem Fall der Diabetiker, geht, könnte ein „Nationaler Aktionsplan Diabetes“ hilfreich sein. Allerdings brauchen wir keinen neuen Aktionismus oder gar Schuldzuweisungen, sondern ausreichende am Versorgungsbedarf orientierte Budgets, um unsere evidenzbasierten Konzepte flächendeckend umzusetzen.

DÄ: Wo sehen Sie Defizite in der Diabetikerversorgung, und wie könnten diese beseitigt werden?
Schulze: Generell klafft eine Lücke zwischen dem gegenwärtig prinzipiell Erreichbaren und den erreichten Ergebnissen. Das gilt besonders für Typ-2-Diabetiker. Gründe für die Unter- beziehungsweise Fehlversorgung sind die zu späte Erkennung der Erkrankung, unzureichende Patientenschulungen, ungenügende normnahe Stoffwechselführung, fehlende Diabetesfuß-Ambulanzen und Schwerpunktpraxen für diabetologische Problemgruppen sowie die nicht flächendeckende Versorgung. Frühdiagnostik durch Screening und Check-up in Risikogruppen, der systematische Ausbau von Schulungen und Diabeteszentren, eine integrierte Versorgung auf der Basis von leitliniengestützten Qualitätszirkeln sowie eine zertifizierte Weiter-und Fortbildung von Ärzten könnten die Defizite beseitigen.

DÄ: Lässt sich dies kostenneutral realisieren, wie von Prof. Lauterbach betont?
Schulze: Seriöse Kosten-Nutzen-Analysen zur vorbeugenden Behandlung des Risikoclusters bei Typ-2-Diabetes weisen aus, dass sich die notwendigen „Mehrinvestitionen“ in fünf Jahren egalisieren könnten.

DÄ: Welche Erfahrungen haben Sie in Sachsen mit dem Shared-care-Modell gemacht? Schulze: Die Verträge haben eine nahezu flächendeckende Etablierung von Schwerpunktpraxen bewirkt. Studien belegen, dass die integrierte Diabetikerversorgung hocheffektiv und effizient ist. Ebenen übergreifende Qualitätszirkel müssen die Basis für die Kooperation der Ärzte bilden. Mittelfristig sollen auch die stationären Versorgungsebenen einbezogen werden.


Prof. Dr. med. Jan Schulze, Präsident der Sächsischen Lan­des­ärz­te­kam­mer, ist Internist und Diabetes-Experte.
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