ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2001Schlaflosigkeit: Benzodiazepine nur für Ausnahmefälle

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Schlaflosigkeit: Benzodiazepine nur für Ausnahmefälle

Dtsch Arztebl 2001; 98(5): A-241 / B-207 / C-193

Eberhardt, Benedikt

Zu dem Beitrag „Arzneipalette ermöglicht individuelle Therapie“ von Dr. Renate Leinmüller in Heft 48/2000:
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LNSLNS Mit Erstaunen habe ich den Artikel gelesen, in dem ausgeführt wird, dass Benzodiazepine unverzichtbar für das Therapie-Portfolio von Insomnien sind. In unserer Schmerzpraxis behandeln wir sehr viele Schmerzpatienten mit Schlafstörungen wegen chronischer Schmerzen und/oder Depressionen und/oder Neurosen. Dabei stehen den Patienten Benzodiazepine und auch deren Nachfolgepräparate wie Zopiclon und Zolpidem im Weg. Benzodiazepingebrauch führt dazu, dass die Leber andere Pharmaka, insbesondere Analgetika, rasant abbaut. Deswegen ist Voraussetzung jeglicher Therapie mit starken Opioidanalgetika wie Morphin und überhaupt jeglicher Schmerztherapie der Benzodiazepin-Entzug. Die täglich nötige Morphin-Dosis ist bei Patienten mit Benzodiazepin-Abusus beträchtlich höher. Häufig ist festzustellen, dass der Schlaf auch unter Benzodiazepinen wegen der Toleranzentwicklung nicht reguliert ist. Benzodiazepin-konsumierende Patienten sind in ihrer Vigilanz häufig wesentlich beeinträchtigt, sind häufig nicht verkehrstüchtig, und es fehlt ihnen Introspektion und damit die Möglichkeit, psychotherapeutisch effektiv mit ihnen zu arbeiten („Rosarote Glocke“, aber auch Versuch der Problemlösung wie bei Alkohol). Auch ältere Patienten mit Benzodiazepin-Gebrauch werden von uns unter Gabe von Antidepressiva und/oder Neuroleptika ambulant entzogen. Sie gewinnen wieder ihre ursprüngliche Persönlichkeit, und Schlafstörungen sind mit niedrigst dosierten Antidepressiva und/oder Neuroleptika gut zu therapieren. Oft ist der Schlaf ohne Benzodiazepine besser als mit. Nicht zuletzt kann der jahrelange Gebrauch von Benzodiazepinen zu einer Panalgesie, also Schmerz am ganzen Körper, führen. Ein Zeichen des stetigen Entzuges. Deswegen sollten Benzodiazepine nur in absoluten Ausnahmefällen rezeptiert werden.
Dr. med. Benedikt Eberhardt, Usinger Straße 11, 60389 Frankfurt/Main
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