ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2001Deutliche Zunahme des Adenokarzinoms im Ösophagus: Schlusswort

MEDIZIN: Diskussion

Deutliche Zunahme des Adenokarzinoms im Ösophagus: Schlusswort

Dtsch Arztebl 2001; 98(5): A-260 / B-225 / C-211

Bollschweiler, Elfriede; Hölscher, Arnulf H.

zu dem Beitrag von Priv.-Doz. Dr. med. Elfriede Bollschweiler Prof. Dr. med. Arnulf H. Hölscher in Heft 27/2000
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LNSLNS Den Ausführungen der Herren Razum und Becher können wir insoweit zustimmen, dass die Datenlage in Deutschland für die Aussage, dass das Adenokarzinom der Speiseröhre in Deutschland ansteigt, ungünstig ist.
Wir haben für die Berechnung der Inzidenzraten die Daten, die uns das Saarländische Krebsregister freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat, verwendet. Hier existiert erst seit 1985 eine getrennte Auflistung für die unterschiedlichen Histologien (Plattenepithelkarzinom, Adenokarzinom, andere Histologie). Somit haben wir als Startjahr für unsere Berechnung auch das Jahr 1985 verwendet. Inzwischen liegen uns auch die Daten für die Jahre 1994 und 1995 vor. Die auf die Weltbevölkerung altersstandardisierten Inzidenzraten für Männer für das Adenokarzinom im Ösophagus liegen 1994 bei 1,0 pro 100 000 Einwohner und 1995 bei 1,0 pro 100 000 Einwohner.
Damit ist die Inzidenzrate in den Jahren 1994 und 1995 in etwa gleich hoch wie 1993 (mit 1,2 Fällen pro 100 000 Einwohnern) und deutlich höher als in den vorherigen Jahren.
Da die Daten des Saarländischen Krebsregisters nur 1/80 der Gesamtbevölkerung der Bundesrepublik repräsentieren, können hier durch die Ungenauigkeiten die Ergebnisse sich auch anders darstellen. Wir sind aber davon ausgegangen, dass die zur Verfügung stehenden Daten einen gewissen Anhalt geben können und haben diese Ergebnisse mit den Daten der benachbarten Länder verglichen: Die Inzidenz der Adenokarzinome in der Speiseröhre liegt in den Niederlanden wesentlich höher als in Deutschland und ist von 2,2 Fällen pro 100 000 männlichen Einwohnern 1989 auf 2,9 im Jahr 1997 gestiegen (3). Ähnliche Ergebnisse findet man für die männliche Bevölkerung in Dänemark mit einem Anstieg von 0,8 im Jahr 1980 auf 2,0 Fälle pro 100 000 im Jahr 1992 (1). Im eigenen Patientenkollektiv konnten wir in den letzten Jahren eine Verschiebung des Verhältnisses von Plattenepithelkarzinomen zu Adenokarzinomen feststellen, was auch in anderen großen Zentren für Ösophaguschirurgie in Deutschland gezeigt werden konnte (2). Somit gehen wir von einer deutlichen Zunahme der Adenokarzinome in der Speiseröhre aus.
Die von Herrn Razum und Herrn Becher aufgeführten Inzidenzraten für das Ösophaguskarzinom im Saarland beziehen sich auf alle Karzinome in der Speiseröhre und lassen daher keinen Rückschluss auf die Veränderungen bezüglich einer Zu- oder Abnahme in den einzelnen histologischen Subgruppen zu. Wir haben die Altersstandardisierung auf die Weltbevölkerung gewählt, um unsere Ergebnisse auch mit den Inzidenzraten aus anderen Ländern vergleichen zu können. Wenn wir für die Berechnung der Veränderungen die Standardisierung auf die Bevölkerung der Bundesrepublik verwenden, lässt sich der Anstieg genauso gut oder noch besser darstellen. So beträgt die Inzidenz des Adenokarzinoms in der Speiseröhre für Männer 1,1 Fälle pro 100 000 Einwohner im Jahr 1985 und 2,0 im Jahr 1993 ebenso wie 1994.
Die Kritik an der Form der Regressionsberechnung ist verständlich. Selbstverständlich haben wir vorher die Daten mit der zeitabhängigen Wachstumsfunktion analysiert und sind zu einem vergleichbaren Ergebnis des Anstiegs gekommen. Die Gleichung für dieses Modell lautet: Y = e**(b0 + (b1*t)) oder In (Y) = b0 + (b1*t). Aus Gründen der einfacheren Darstellung haben wir den linearen Anstieg genommen.

Literatur
1. Bytzer P, Christensen PB, Damkier P, Vinding K, Seersholm N: Adenocarcinoma of the esophagus and Barrett’s esophagus: a population-based study. Am J Gastroenterol 1999; 1: 86–91.
2. Siewert JR, Feith M, Werner M, Stein H: Adenocarcinoma of the esophagogastric junction – results of surgical therapy based on anatomical/topographic classification in 1 002 consecutive patients. Ann Surg 2000; 232: 353–361.
3. Visser O, Coeberg J WW, Schouten LJ, Dijck Jaam van (eds.): Incidence of cancer in the Netherlands 1994
Utrecht: Vereniging van Integrale Kankercentra 1997.

Priv. Doz. Dr. med. Elfriede Bollschweiler
Prof. Dr. med. Arnulf H. Hölscher

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