ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2001Die Königsgräber von Sipán: Lockruf des Goldes

VARIA: Feuilleton

Die Königsgräber von Sipán: Lockruf des Goldes

Dtsch Arztebl 2001; 98(5): A-261 / B-205 / C-193

Krannich, Stephanie

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LNSLNS Eine Ausstellung in der Bonner Bundeskunsthalle
vermittelt einen Eindruck vom größten Goldfund seit der Entdeckung des Grabes von Tutanchamun.


Gold übte zu allen Zeiten eine magische Anziehungskraft aus, so auch auf die Grabräuber, die 1987 in dem kleinen peruanischen Dorf Sipán ein reiches Grab entdeckten, plünderten und dem illegalen „Kunsthandel“ Nachschub lieferten. Die Polizei konnte nur wenige Beuteteile sicherstellen. Der Rettungsgrabung folgte eine Sensation: Der peruanische Archäologe Walter Alva und sein Ausgrabungsteam stießen auf das völlig erhaltene Grab eines Moche-Herrschers. Dabei handelt es sich um den größten Goldfund seit der Entdeckung des Grabes von Tutanchamun in Ägypten. Unter der verwitterten Pyramide aus getrockneten Lehmziegeln konnten neben dem Grab des Fürsten von Sipán noch acht weitere Gräber freigelegt werden, zu deren bedeutendsten die Gräber des Alten Fürsten, des Priesters und eines Militärbefehlshabers zählen. Die Entdeckung dieser Gräber ermöglichte eine genauere Rekonstruktion der Geschichte der Moche-Kultur. Waren es zuvor Grabräuber, so sind es jetzt Scharen von Besuchern, die 200, inzwischen zum großen Teil im Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Mainz restaurierte, zurzeit in der Bundeskunsthalle in Bonn hervorragend präsentierte Ausgrabungsfunde anlocken.
Die Geschichte des alten Goldlandes Peru verbindet man in erster Linie mit den Inka, deren Reich jedoch nur eine kurze Zeit (1467 bis 1532) währte. Dass dieser Kultur aber eine Reihe von Hochkulturen vorausgingen, ist weniger bekannt. Eine dieser blühenden Kulturen war die der Moche oder Mochica an der nordperuanischen Küste, die in die Zeit von circa 200 v. Chr. bis 600 n. Chr. datiert wird. Die Moche hatten das trockene Küstengebiet durch ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem in eine landwirtschaftlich ergiebige Region umgewandelt. Durch günstige Lebensbedingungen erreichten die Moche ein damals optimales Lebensalter von durchschnittlich 35 bis 40 Jahren.
Für die Moche war das Leben mit dem Tod nicht zu Ende. Sie glaubten an ein Weiterleben im Jenseits. Die Ausgrabungen brachten neue Erkenntnisse über den Totenkult und die Rituale der damaligen Zeit, beweisen den hohen Stand der Technik und der Kunst und verschaffen einen Einblick in die komplexe gesellschaftliche Organisation der Moche. Die Art der Bestattung bezeugt Funktion und soziale Stellung des Bestatteten in der Gesellschaft. Die Bundeskunsthalle gewährt einen Einblick in die originalgetreu rekonstruierte Grabkammer des Fürsten von Sipán, der von sieben Personen ins Jenseits begleitet wurde.
Die handwerklichen Fertigkeiten und die künstlerischen Ausführungen der in den Gräbern gefundenen Metallarbeiten sind beeindruckend. Die Moche beherrschten die Kunst des Metallgießens. Bronze war noch unbekannt. Aber sie verwandten die „Tumbaga“, eine Legierung von Kupfer mit unterschiedlichen Anteilen von Gold oder Silber, und beherrschten eine komplizierte Technik, Kupfer zu vergolden. Höchste künstlerische Leistungen erzielten die Moche vor allem in der Keramik. 70 Keramiken aus den bedeutenden Sammlungen deutscher Museen vermitteln ein Bild dieser schriftlosen, altperuanischen Kultur. Von der einfachen Gebrauchsware unterscheidet sich die mit Malereien oder plastischen Darstellungen gestaltete Keramik für den Totenkult. Mit ihren einzigartigen „Portraitgefäßen“ erreichten die Moche einen Höhepunkt in der Abbildung des menschlichen Antlitzes. Eine Besonderheit der Moche-Keramik ist die realistische Darstellung erotischer Szenen, deren Bedeutung als Grabbeigabe in den mythologischen Vorstellungen der Mochica wurzelt.
Die Ausstellung wird durch ein reichhaltiges Angebot an Workshops und wissenschaftlichen Vorträgen begleitet. Der Katalog gibt die spannende Geschichte der Entdeckung und Bergung des sensationellen Schatzes von Sipán wieder, der in dieser Vollständigkeit zum ersten und gleichzeitig auch zum letzten Mal außerhalb Perus gezeigt wird.
Dr. med. Stephanie Krannich


Halskette aus zehn goldenen und zehn silbernen Erdnussfrüchten,
Lambayeque, Museo Arqueológico
Nacional Brüning
Foto: Ignacio Alva


Beischlafszene, Ethnologisches Museum, Staatliche Museen zu Berlin, Preußischer Kulturbesitz



Die Ausstellung „Gold aus dem alten Peru. Die Königsgräber von Sipán“ ist bis zum 29. April dienstags und mittwochs von 10 bis 21 Uhr und donnerstags bis sonntags von 10 bis 19 Uhr zu besichtigen. Karfreitag und Ostermontag geöffnet. Weitere Informationen: Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, Museumsmeile Bonn, Friedrich-Ebert-Allee 4, 53113 Bonn, www.bundeskunsthalle.de, Telefon: 02 28/91 71-2 00
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