ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2001Topische Antirheumatika: Evidenzbasierte Studie vorgelegt

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Topische Antirheumatika: Evidenzbasierte Studie vorgelegt

Dtsch Arztebl 2001; 98(5): A-264 / B-208 / C-196

Hoc, Siegfried

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LNSLNS Schon 1994 erklärten Rheumatologen, Orthopäden und Allgemeinmediziner auf einer Konsensuskonferenz an die Adresse der Krankenkassen die topischen Antirheumatika mit Wirksamkeitsnachweis als unverzichtbare Arzneimittel, die für die ärztliche Verordnung uneingeschränkt verfügbar bleiben müssen. Daran hat sich nichts geändert, so der Tenor auf einem Pressegespräch der Novartis Pharma in München. Gefordert werden allerdings gut geplante, breit angelegte, randomisierte Studien, in denen topische Behandlung direkt mit oraler verglichen wird.
Die Ergebnisse einer solchen Studie präsentierte Dr. Josef Zacher (Berlin); hierbei wurde bei Patienten mit Polyarthrose der Hand nachgewiesen, dass durch die Anwendung der topischen Zubereitung Voltaren®-Emulgel® (VE) vergleichbar gute Behandlungsergebnisse erzielt werden wie mit einem oralen Antiphlogistikum – in diesem Fall mit Ibuprofen (IBU). Der Vorteil von VE ist aber, dass es so gut wie keine Nebenwirkungen provoziert.
In der doppelblinden, randomisierten und kontrollierten Multicenter-Studie wurde bei 159 Patienten mit aktivierter Polyarthrose der Hand VE in einer Dosis von täglich viermal 2,5 g (je ein zehn Zentimeter langer Gelstrang in beide Hände ohne Druck eingerieben) mit der oralen Gabe von dreimal 400 mg IBU verglichen. In der VE-Gruppe hatten die Patienten im Durchschnitt 7,7 Gelenke, in der IBU-Gruppe 7,9 Gelenke mit schmerzhaften Heberden- und Bouchard-Arthrosen der Hand.
Die Auswertung der täglichen Responderraten zeigte eine kontinuierliche Zunahme in beiden Therapiearmen. Ab dem elften Tag lag die Ansprechrate in der VE-Gruppe höher als in der IBU-Gruppe. Dieses Ergebnis belegt, dass VE den Arthroseschmerz zumindest ebenso gut unterdrückt wie ein systemisch verabreichtes nichtsteroidales Antirheumatikum. Das gilt auch für die Schmerzqualität in der globalen Schmerzeinschätzung durch die Patienten.
In der VE-Gruppe berichteten 22 Prozent der Patienten über unerwünschte Ereignisse unter der Therapie, in der IBU-Gruppe waren es 27 Prozent. Schwerwiegendere Nebeneffekte wurden bei 14 Prozent der Patienten aus der IBU-Gruppe und sieben Prozent der Patienten aus der VE-Gruppe erhoben.
Nur zwei Patienten aus der VE-Gruppe, aber 13 aus der IBU-Gruppe brachen die Studie wegen medikamentenbezogener unerwünschter Wirkungen ab. Dabei waren gastrointestinale Beschwerden bei den Patienten der VE-Gruppe nur in einem Fall, bei den Patienten der IBU-Gruppe in acht Fällen Ursache für das Ausscheiden aus der Studie. In der VE-Gruppe waren leichte Hautirritationen am Applikationsort der häufigste Nebeneffekt.
Hohe artikuläre Wirkstoffspiegel
Durch die perkutane Zufuhr von NSAR werden vor allem an Finger- und Handgelenken im Gelenk therapeutische Wirkstoffkonzentrationen erreicht. Aber auch an größeren Gelenken mit nicht zu dickem Weichteilmantel, wie dem Kniegelenk, könnten in periartikulären Strukturen ausreichend hohe Konzentrationen entstehen, wie eine kürzlich publizierte Studie bestätigte, so Dr. Bernd Swoboda (Erlangen). Als Indikationen für NSAR-Topika gelten Aktivierungszustände mit Schmerzen und Schwellungen an Gelenken, bei denen Applikations- und erwünschter Wirkort nahe beeinander liegen.
Auch unter wirtschaftlichen Aspekten haben topische NSAR einen offenkundigen Vorteil. Prof. Oliver Schöffski (Nürnberg) berichtete über eine Analyse, bei der 458 Patienten ausschließlich mit dem topischen Präparat behandelt wurden; die Kosten pro Patient betrugen 216,47 DM. Weitere 564 Patienten erhielten ausschließlich orale NSAR (Kosten pro Patient: 592,28 DM). In der dritten Gruppe wurden 503 Patienten sowohl mit oralen NSAR als auch mit VE behandelt; die Kosten pro Patient betrugen 646,08 DM. In der VE-Gruppe fanden sich keine Patienten, die wegen Nebenwirkungen stationär behandelt werden mussten. Siegfried Hoc
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