ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2001Festverzinsliche: Dem Fiskus ein Schnippchen schlagen

VARIA: Schlusspunkt

Festverzinsliche: Dem Fiskus ein Schnippchen schlagen

Dtsch Arztebl 2001; 98(6): [92]

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Wie gegeben, so genommen. Der ehemals so großzügig bemessene Sparerfreibetrag wurde nach nur kurzer Lebensdauer massiv zusammengestutzt. Er beträgt bei Ledigen (inklusive Werbungskostenpauschale) nur noch 3 100 Mark, bei zusammen veranlagten Eheleuten eben das Doppelte, also 6 200 Mark.
Unterstellt, eine Anleihe würde fünf Prozent Zinsen abwerfen, dann werden bei einem Ehepaar zusammengerechnet Zinserträge, die über die Anlagesumme von 124 000 Mark hinausgehen, volle Kanne steuerpflichtig. Das ist dann erst recht eine unschöne Situation, wenn das Renditeniveau ziemlich niedrig ist oder gar noch mehr zu sinken droht. Das könnte nach der soeben vollzogenen Zinssenkung durch die amerikanische Notenbank durchaus auf uns zukommen.
Wenn also Kuponzahlungen, die den Freibetrag übersteigen, steuerpflichtig sind, dann könnte das Investorenglück darin liegen, dass auch bei Anleihen Kursgewinne, die nach Ablauf eines Jahres anfallen, steuerfrei sind. Aber Achtung, das gilt nur, wenn es sich bei dem betroffenen Wertpapier nicht um eine so genannte Finanzinnovation handelt, wie es beispielsweise bei Stufenzinsanleihen oder Zerobonds der Fall wäre.
Schlaue Anleger sollten also durchaus überlegen, steuerpflichtige Kupons zugunsten steuerfreier Kursgewinne zu reduzieren oder aber bei Neuinvestitionen auf diesen Umstand zu achten. Was heißt das aber konkret?
Nicht Hochkuponanleihen sind also en vogue, sondern vielmehr niedrigverzinsliche Anleihen. Diese sind nämlich, um den Zinsnachteil
optisch (und auch rechnerisch natürlich!) auszugleichen, mit einem niedrigeren Kurs ausgestattet, sie notieren „unter pari“. Wird die Anleihe bis zur Endfälligkeit gehalten, ist der Unterschied zwischen Kaufkurs (beispielsweise 92) und dem Einlösungsbetrag von 100 steuerfrei. Nicht übel.
Das Fazit ist klar. Nicht der Neunprozenter (zu einem Kurs „über pari“ eingekauft) lässt das Sparerherz höher schlagen, sondern die vermeintlich mickrig nominalverzinste Anleihe. Und seinen Spaß, dem Fiskus doch noch Paroli zu bieten, und sei es auch nur ein bisschen, hat man dabei auch noch.
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