ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2001Arzneimittel und BSE: „Grundsätzlich“ sicher

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Arzneimittel und BSE: „Grundsätzlich“ sicher

Dtsch Arztebl 2001; 98(6): A-273 / B-217 / C-205

Richter, Eva A.

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LNSLNS Können durch Arzneimittel humanpathogene Prionen direkt
in den menschlichen Körper gelangen? Werden Medikamente, auf die Patienten angewiesen sind, zu einer potenziellen „BSE-Falle“? Nein, meinen sowohl das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) als auch die Deutsche Pharmazeutische Gesellschaft. BSE-Fälle durch die Anwendung von Medikamenten könnten mit hoher Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden.
Prinzipiell denkbar wären jedoch verschiedene Übertragungswege: So ist beispielsweise Gelatine ein unverzichtbarer Grundstoff für die Herstellung von Kapseln oder Plasmaersatzmitteln. Fötales Kälberserum wird bei der Gewinnung von Impfstoffen zur aktiven Immunisierung gegen Virusinfektionen verwendet. Einige Medikamente werden sogar direkt aus tierischen Produkten hergestellt: Thrombin aus Rinderblut, Aprotinin aus Rinderlunge.
Das BfArM und die Pharmazeuten beruhigen: Die Gelatine, die zu pharmazeutischen Produkten verarbeitet wird, stamme aus mark- und fettfreien Knochen von Tieren aus als BSE-frei geltenden Ländern, wie den USA, Australien und Neuseeland. Zudem werde die Pharmagelatine einem besonderen Verfahren unterzogen, das hypothetisch vorhandene Prionen zerstören soll. Über zehn bis vierzehn Tage werde die Gelatine mit Natronlauge behandelt. Eine Expertenkommission der WHO stufe diese Gelatine als sicher ein. Auch das BfArM erklärte, dass die deutschen Arzneimittel aufgrund eines bereits 1994 eingeleiteten Stufenplanverfahrens „grundsätzlich“ sicher seien. Für eine BSE-Übertragung durch Blut oder Plasma gäbe es bisher keine Anhaltspunkte.
Ob die Möglichkeit einer Infektion auf diesem Wege ausgeschlossen oder noch nicht ausreichend untersucht ist, bleibt dennoch offen. Bekannt ist allerdings, dass Prionen durch Transplantation von menschlichen Hirnhäuten und durch Injektion von Hypophysenhormonen übertragen worden sind. Auch Catgut-Nahtmaterial wird vielfach bereits nicht mehr verwendet. Weitere Forschung ist dringend notwendig. Sich in (falscher?) Sicherheit zu wiegen ist ebenso unangebracht wie Panikmache.
Dr. med. Eva A. Richter
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