ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2001Diabetes-Risiko für Typ 1: Bei Kleinkindern Antikörper hilfreich

AKTUELL: Akut

Diabetes-Risiko für Typ 1: Bei Kleinkindern Antikörper hilfreich

Dtsch Arztebl 2001; 98(6): A-277 / B-221 / C-208

EB

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LNSLNS Bereits in den ersten beiden Lebensjahren kommt es bei Personen, die später im Leben an Typ-1-Diabetes erkranken, zu Störungen im körpereigenen Abwehrsystem, denn schon im frühen Kindesalter (neun bis 24 Monate) lassen sich im Blut der Betroffenen Antikörper gegen Inselzellbestandteile der Bauchspeicheldrüse nachweisen. Das zeigt die BABYDIAB-Studie, die weltweit erste Untersuchung, die von Geburt an Störungen des Immunsystems und die Entstehung von Diabetes analysiert und vom Bun­des­for­schungs­minis­terium unterstützt wird. Ziel der bereits 1989 begonnenen Langzeitbeobachtung von mehr als 2 000 Neugeborenen von Eltern mit Typ-1-Diabetes ist die Erfassung immunologischer, genetischer und umweltbezogener Daten, um die Entstehung dieser Autoimmunkrankheit besser zu verstehen und neue prognostische Risikofaktoren für die Entstehung der Krankheit zu identifizieren. Vor allem bei Kindern mit bestimmten Vererbungsmerkmalen im Bereich der Transplantationsantigene (HLA-Moleküle) treten bereits frühzeitig Antikörper gegen Inselzellbestandteile der Bauchspeicheldrüse als Ausdruck einer Entzündung auf. Diese Antikörper ermöglichen es, die „Anlage“ zum Typ-1-Diabetes bereits Jahre vor Ausbruch der Erkrankung festzustellen.

Die BABYDIAB-Studie konnte erstmals zeigen, dass alle Kinder, die im Alter von zwei Jahren bereits mehrere dieser Antikörper aufweisen, vor dem zehnten Lebensjahr an Diabetes erkranken. Damit steht nun ein leistungsfähiger diagnostischer Test zur Verfügung, um das Diabetesrisiko abschätzen zu können. Die Ergebnisse eröffnen auch Möglichkeiten für neue Präventions- und Behandlungsansätze, die teilweise bereits in Nachfolgeuntersuchungen geprüft werden sollen. So wird heute versucht, eine Impfung für das früheste Kindesalter zu entwickeln, um Diabetes zu verhindern.

Bei der Erforschung der Ursachen und des Krankheitsverlaufes des Typ-1-Diabetes herrscht noch weitgehend Unklarheit. Spezielle Umweltfaktoren oder Infektionen werden als Ursachen vermutet. Die Erkenntnisse der BABYDIAB-Studie lassen vermuten, dass vor allem Umweltfaktoren und die Lebensweise, die in den ersten beiden Lebensjahren einwirken, für den Defekt des Immunsystems und die Entstehung von Diabetes verantwortlich sind. Bei einer ersten Auswertung der Variablen „Impfungen und Stillhäufigkeit/Dauer“ zeigte sich allerdings bisher kein Zusammenhang zur Entstehung von Autoimmunität durch diese beiden Faktoren. EB
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