ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2001Doerfert-Prozess: Griff in die Kasse

POLITIK

Doerfert-Prozess: Griff in die Kasse

Dtsch Arztebl 2001; 98(6): A-284 / B-244 / C-228

Flintrop, Jens

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LNSLNS Der Krankenhaus-Manager Hans-Joachim Doerfert muss für viele Jahre ins Gefängnis.

Das Landgericht Koblenz hat den früheren Caritas-Manager Hans-Joachim Doerfert wegen Untreue in 58 Fällen zu sieben Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Doerfert habe die Caritas-Trägergesellschaft Trier (CTT) jahrelang als sein Eigentum betrachtet und sich systematisch aus ihren Kassen bedient, sagte der Vorsitzende Richter Hans-Georg Göttgen. Dabei sei ein Schaden von mindestens 38 Millionen DM entstanden. Die beiden mitangeklagten Bernhard Veit und Ulrich Ziegelmayer wurden wegen Unterschlagung in 16 beziehungsweise 50 Fällen ebenfalls zu Haftstrafen verurteilt. Veit muss für zwei Jahre und acht Monate hinter Gitter, Ziegelmayer für vier Jahre und drei Monate.
Das „System Doerfert“ ziehe sich wie ein roter Faden durch den Prozess, sagte Richter Göttgen. Als erfolgsverwöhnter, dominanter Manager habe Doerfert im Laufe der Zeit alle wichtigen Posten mit ihm genehmen Funktionsträgern besetzt. Durch hohe Gehälter und finanzielle Zuwendungen habe er sie immer enger an sich gebunden und sie veranlasst, auch kritikfähige Maßnahmen mitzutragen. Die Hauptschuld treffe deshalb Doerfert, der zum „Alleinherrscher“ der CTT-Gruppe aufgestiegen sei. Sämtliche Kontrollmechanismen hätten versagt. Dem Krankenhaus-Manager war es mithilfe von Schmiergeldern, Beteiligungen und Scheinverträgen gelungen, sich ein weitreichendes Firmengeflecht aufzubauen. Ende 1999 gehörten 42 Einrichtungen mit 9 000 Beschäftigten zur CTT. Jahresumsatz des Krankenhausträgers: rund 450 Millionen DM.
Göttgen sprach in der Urteilsverkündung von einem „Selbstbedienungsladen“, aus dem sich Doerfert nach Belieben bereichert habe. Als Beispiele nannte der Richter Beratungshonorare, die der Geschäftsführer Doerfert beim Rechtsanwalt Doerfert in Rechnung gestellt habe, oder auch Spenden an den Fußballclub Eintracht Trier. „Doerfert spendete die CTT-Gelder ausschließlich, um sich als Retter der Eintracht zu präsentieren“, sagte Göttgen. Für ein Konzept, wonach durch das Zusammenspiel zwischen Sport und Medizin ein Betten- oder Stellenabbau in den CTT-Kliniken hätte verhindert werden sollen, gebe es keine Anzeichen.
Wegen der Verstrickung in die Doerfert-Affäre waren im November 2000 der damalige Bundesverkehrsminister Reinhard Klimmt (SPD) und der saarländische Innenminister Klaus Meiser (CDU) zurückgetreten. Mit dem Urteil vom 5. Februar ist die „Akte Doerfert“ noch nicht geschlossen. Am 2. Februar erhob die Koblenzer Staatsanwaltschaft eine weitere Anklage gegen den Manager, unter anderen wegen unklarer Zahlungen an die CDU und erneut wegen Untreue und Kreditbetrug in Millionenhöhe. Ab dem 2. März muss sich Doerfert vor dem Münchner Landgericht wegen dubioser Geschäfte zum Schaden des Deutschen Ordens verantworten. Der Deutsche Orden betreibt zahlreiche Krankenhäuser, Behinderten- und Altenheime sowie an-dere soziale Einrichtungen. Jens Flintrop

Zerknirscht. Hans-Joachim Doerfert (56), hier mit seinen Anwälten, blickt in eine düstere Zukunft.
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