ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2001Missbrauch in der DDR?

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Missbrauch in der DDR?

Dtsch Arztebl 2001; 98(6): A-308 / B-260 / C-242

Richter, Eva A.

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LNSLNS Anfang der 90er-Jahre waren die Meldungen über die Missstände in der
Psychiatrie in Ostdeutschland ein Dauerthema. Erinnert sei an Berichte über zweckentfremdete Anstalten, Stasi-Opfer, Verwahrung von politischen Gegnern und eine „brutale“ Psychiatrie. Inzwischen haben Untersuchungskommissionen in den neuen Bundesländern herausgefunden, dass es einen systematischen Missbrauch der Psychiatrie wie in der Sowjetunion nicht gab. Wohl aber sind Macht und Einfluss von Stasi und SED nicht an der Psychiatrie vorübergegangen. Einzelne Ärzte verletzten ihre Schweigepflicht, indem sie als Inoffizielle Mitarbeiter der Staatssicherheit über ihre Patienten berichteten. Ein-
zelne Krankenhäuser, wie das Krankenhaus für Psychiatrie in Waldheim, waren gänzlich in „Stasihand“, Patienten wurden bei Staatsempfängen und Messen in der Klinik behalten. Die Untersuchungskommissionen stellten aber auch fest, dass sich die Ärzte in den Kliniken gegen solche Anordnungen gewehrt beziehungsweise diese „flexibel“ gehandhabt haben. Zwangseinweisungen waren in den meisten Fällen nicht rechtswidrig. Fazit der Kommissionen: Da bei den Gesetzesverstößen keine politische Motivation zu erkennen ist, sind sie nicht als politischer Missbrauch zu bezeichnen. ER
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