ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2001Leistungsquittung: Blick nach Frankreich

BRIEFE

Leistungsquittung: Blick nach Frankreich

Dtsch Arztebl 2001; 98(6): A-312 / B-248 / C-236

Ackermann, Steffen

Zu dem Kommentar „Die Quittung oder Kostenerstattung“ von Dr. med. Volker Synatschke in Heft 47/2000:
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LNSLNS Seit fast vier Jahren bin ich als Gynäkologe in einem öffentlichen Krankenhaus in Frankreich tätig. Als Oberarzt hat man hier die Möglichkeit, an zwei Nachmittagen pro Woche ambulante Sprechstunden durchzuführen, sodass ich auch Einblick in das französische Abrechnungssystem ambulanter Leistungen habe. Die in Deutschland geführte Diskussion über Abrechnungskontrolle, Abrechnungsbetrug, Budgetierung etc. ist insofern für meine Kollegen und mich unverständlich, als dass es hier ein System gibt, das einen nahezu perfekten Überblick erlaubt: Der Patient erhält in der Sprechstunde einen Behandlungsnachweis mit Angabe des Honorars, das er sofort an den Arzt zu entrichten hat (und nicht erst ein Vierteljahr später). Zum Beispiel: Consultation simple gleich gynäkologische Sprechstunde, Anamnese und Untersuchung: 150 Francs (circa 45 DM). Den Behandlungsbeleg reicht der Patient bei seiner Krankenkasse ein, die ihm davon 70 Prozent erstattet (außer Elsass/Lothringen: 90 Prozent). Den Differenzbetrag zahlt eine eventuell abgeschlossene Zusatzversicherung. Bei Medikamenten, Laborleistungen, zytologischen Untersuchungen etc. wird in gleicher Art verfahren.
Des Weiteren gibt es in Frankreich in der Hauptsache nur eine Krankenkasse, abgesehen von Kassen für Militärangehörige, Beamte, Bergleute und in der Landwirtschaft Beschäftigte (und nicht 630). Ein Verlassen der Sozialversicherung ab einem bestimmten Einkommen oder als Selbstständiger ist nicht möglich.
Insgesamt gesehen ist dieses System durchschaubarer für alle Seiten und mit viel weniger Verwaltungsaufwand verbunden. Abrechnungsfehler oder -betrug sind fast unmöglich. Und der Arzt weiß am Abend, wofür er den ganzen Tag gearbeitet hat.
Dr. Steffen Ackermann, Centre Hospitalier General de Wissembourg, F-67160 Wissembourg
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