ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2001Krankenkassen: Wünschenwert - Kanzlers „Basta“

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Krankenkassen: Wünschenwert - Kanzlers „Basta“

Dtsch Arztebl 2001; 98(6): A-313 / B-264 / C-246

Thomas, Erhard

Zu dem Leserbrief „DIN A4 – warum so viel Papier?“ von Dr. med. Claus Metzler in Heft 49/2000:
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LNSLNS Die Ansichten des Kollegen Dr. Metzler, insbesondere über die Senkung der Anzahl der Krankenkassen, möchte ich grundsätzlich und mit Nachdruck unterstreichen. Die Auffassungen zur Transparenz und Abrechnung sind zwar gegenwärtig wünschenswert und notwendig, jedoch für die Zukunft nicht ausreichend praktikabel, weil sie nach meiner Ansicht die Entwicklung der Technik, der Gesellschaft und des Gesundheitswesens in seiner Kompliziertheit unzureichend berücksichtigen, um das deutsche Gesundheitswesen für das 21. Jahrhundert „fit“ zu machen. Der bürokratische Verwaltungsaufwand der Krankenkassen mit den circa 630 Krankenkassen verschlingt Unsummen von Beiträgen der Mitglieder, die der Patientenversorgung entzogen werden – hierin stimme ich mit Dr. Metzler ebenso überein. Aus meiner Sicht wäre eine Reduzierung der Kassenanzahl auf circa sechs ausreichend (je eine Ersatzkasse, Privatkasse, Künstlerkasse, Seemannskasse, Knappschaftskasse). Das würde die Abrechnung übersichtlicher und einfacher gestalten, und den Spekulanten und Manipulatoren wäre damit ein wichtiges Terrain blockiert; das ekelhafte Gerangel um Geld wäre damit schlagartig und auf Dauer gelöst.
Auch die Reformierung der Ärztekammern und KVen erscheint mir dringend geboten. Die Strukturen und Aufgaben müssten den Entwicklungsbedingungen des 21. Jahrhunderts rasch angepasst werden.
Ich erlaube mir, noch meine persönlichen Gefühle auszudrücken, von denen ich weiß, dass viele, ja sehr viele Kolleginnen und Kollegen sie mit mir teilen: Wir Ärzte sind es leid, ständig wie „Zirkusgäule“ und „Kutschpferde“ behandelt zu werden, auf denen jeder (KV, Krankenkassen, Ärztekammern, Medien, Juristen, das Ge­sund­heits­mi­nis­terium und neuerdings auch aufgewiegelte Patienten) nach Belieben auf uns draufschlagen und ihre Nöte und Probleme bei uns abladen können. Wir sind weder die Kostenverursacher noch die Kostentreiber der Nation, wir sind eine „Betrüger“, „Abzocker“, „Medizinpfuscher“ oder Ähnliches. Ich bin glücklich, dass wir Kollegen in Ost und West in dieser Bewertung gottlob einig sind. Wir sind nicht bereit, uns noch länger erniedrigen und für alle Mängel und Versäumnisse in der Gesundheitspolitik verantwortlich machen zu lassen, wofür andere Institutionen beziehungsweise Amts- und Mandatsträger verantwortlich sind. Das Credo der Ärzte lautete früher, und das gilt auch heute noch uneingeschränkt: Wir sind freiwillig, ohne Druck von irgendeiner Seite, jederzeit bereit, höchste medizinische Versorgungsleistungen zu erbringen und erfolgreich am und für den Patienten zu arbeiten. Es wäre wünschenswert, wenn das ganze Brimborium um die Krankenkassendiskussion und die
widerwärtigen Geldmachenschaften mit einem machtvollen Satz des Bundeskanzlers beendet werden würde: So wird’s nicht weiter gemacht! Basta!
MR Doz. Dr. sc. med. Erhard Thomas, Brachliner Straße 12, 12683 Berlin
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