ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2001Rehabilitation: Krankheiten der Psyche nicht vergessen

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Rehabilitation: Krankheiten der Psyche nicht vergessen

Dtsch Arztebl 2001; 98(6): A-314 / B-250 / C-238

Köster, Rudolf

Zu dem „Seite eins“-Beitrag „Kodifizierung“ von Dr. rer. pol. Harald Clade in Heft 50/2000:
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LNSLNS Die Absicht der Bundesregierung, das bisher zersplitterte Rehabilitationsrecht in einem Sozialgesetzbuch neu zu kodifizieren, ist gewiss ein Fortschritt, aber auch nur dann, wenn Chancen bisheriger Defizite, die sich ganz zwangsläufig aus einem Panoramawandel der Krankheitsbilder unserer Zeit ergeben haben, eingebaut werden. Hier ist nicht nur an die Forderungen des 102. Deutschen Ärztetages (Mai 1999) mit nachhaltiger Förderung der Teilhabe von Menschen mit Behinderung am beruflichen und gesellschaftlichen Leben zu denken, sondern auch an eine Intensivierung ambulanter, teilstationärer, gegebenenfalls auch stationärer Rehabilitation bei seelischen und geistigen Krankheiten, die es so schwer haben, die gleiche Aufmerksamkeit zu finden wie jene des Körpers.
Von der Vielzahl psychosomatischer Krankheiten über Depressionen aller Arten bis zur Abhängigkeit von Medikamenten, Alkohol, Drogen . . .! Bei allen diesen und noch anderen Krankheiten der „Psyche“ kann die stationäre Behandlung noch so erfolgreich gewesen sein, gefährdet wird dies alles, wenn durch Mangel an flanierenden Hilfen die Wiedereingliederung in das „Milieu“ des alltäglichen Lebens nicht funktioniert. Verhindern könnte dies nur eine individuelle Rezidivprävention durch ambulante, teilstationäre, notfalls auch stationäre rehabilitative Hilfen. Allzu oft wird nämlich vergessen oder nicht daran gedacht: Krankheiten der Seele – der „Psyche“ – können letzten Endes nur dort heilen, wo sie entstanden sind, mit dem Sich-wohl-Fühlen, dem Sich-behaupten-Können im mitmenschlichen Zusammenleben: in der Familie, am Arbeitsplatz, in der Gesellschaft insgesamt. Defizite im Angebot rehabilitativer Hilfen in diesem Bereich kommen nicht nur dem betroffenen Menschen seelisch schmerzhaft, sondern auch dessen Krankenkasse teuer zu stehen, ein zumeist verkannter Faktor in der „Kostenexplosion“: Durch Missachtung von Paragraph 10 des Sozialgesetzbuches V, das geistige und seelische Behinderung ausdrücklich jenen des Körpers gleichstellt. Es ist allerdings nicht verkennbar, dass die Rehabilitationsmedizin selbst in diesem Bereich einen eigenen, zugleich nachteilhaft spürbaren Nachholbedarf hat.
Dr. Rudolf Köster, Hansjakobstraße 3, 79822 Titisee-Neustadt
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