ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2001Pflanzenbiotechnologie - Neuartige Lebensmittel (Novel Food) und Pharmazeutika: Erhöhtes Sicherheitsrisiko

MEDIZIN: Diskussion

Pflanzenbiotechnologie - Neuartige Lebensmittel (Novel Food) und Pharmazeutika: Erhöhtes Sicherheitsrisiko

Dtsch Arztebl 2001; 98(6): A-331 / B-281 / C-263

Matthis, Michael

zu dem Beitragvon Dr. med. Elizabeth Schell-FrederickProf. Dr. rer. nat. Jozef Stefaan Schellin Heft 28-29/2000
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LNSLNS Keineswegs kann man, was das Sicherheitsrisiko betrifft, konventionelle Züchtung mit der rekombinanten DNA-Technologie vergleichen. Das routinemäßige Einschleusen eines Antibiotikaresistenzgens für Kanamycin erhöht bei Novel-Food-Produkten die Gefährdung für Verbraucher und Umwelt. Der dem Fremd-DNA-Paket beigefügte virale Promotor birgt ein hohes Risiko. Normalerweise ist ein eingeschleustes Fremdgen nicht aktivierbar, weil der dem Fremdgen eigene Promotor nur in einer gewohnten Umgebung arbeiten kann. Dem Fremd-DNA-Paket wird deswegen zusätzlich ein potenter viraler Promotor beigefügt, der der normalen Zellsteuerung jedoch nicht unterliegt. Es ist nicht sicher vorhersehbar, wo genau die Fremd-DNA eingebaut und dabei die vorhandene DNA-Sequenz zerstört wird. Prinzipiell können daher
unerwartete Stoffwechselreaktionen, also auch Pflanzengifte (2) und kanzerogene Stoffe entstehen. Nur durch sorgfältige Langzeitstudien mit Fütterungsversuchen in jedem einzelnen Fall kann das Sicherheitsrisiko von Novel-Food-Produkten überhaupt erfasst werden. Mit dem wissenschaftlich nicht begründeten Konzept der „substanziellen Gleichwertigkeit“ (2), das keinen erhöhten Sicherheitsstandard für Novel-Food im Vergleich zur konventionellen Züchtung verlangt, wurde diesem erhöhten Sicherheitsrisiko von der US-Zulassungsbehörde FDA keineswegs Rechnung getragen. Der Verbraucher glaubt jedoch, dass diese Produkte besonders sorgfältig getestet wurden (1) (David Aaron, stellvertretender US-Wirtschaftsminister: „Kein Ausschlag, kein Niesen, kein Husten, kein triefendes Auge trat jemals als Folge davon [gentechnisch veränderte Lebensmittel] auf, und das, weil wir extrem sorgfältig bei der Zulassung vorgegangen sind.“). Gegen die wissenschaftlich nicht begründete Zulassung von Novel-Food-Produkten reichten bedeutende Biotech-Wissenschaftler 1998 Klage (4) ein. Solange die Sicherheitsbedenken nicht zweifelsfrei ausgeräumt sind, sollte ihre Zulassung im Interesse der Verbraucher ruhen.

Literatur
1. David Aaron, stellvertretender US-Wirtschaftsminister, zitiert nach Reuters, 16. September 1999.
2. Simat TJ et al.: „Synthesis, formations and occurence of contaminants in biotechnologically manufactered L-tryptophan“. Proceedings of the 9th International Meeting on Tryptophan Research, Hamburg 10.–14. Oct. 1998 (in Druck).
3. Statement of US-Policy: Foods derived from new plant varieties, 29. Mai 1992, Federal Register Vol. 57, No. 104, 22991.
4. Zusammenfassung des Gerichtsverfahrens mit vollständiger Liste der Kläger: siehe www.bio-integrity. org/Lawsuit.

Dr. med. Michael Matthis
Lindenstraße 56a, 23558 Lübeck

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