ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2001Pflanzenbiotechnologie - Neuartige Lebensmittel (Novel Food) und Pharmazeutika: Gentechnik effizient

MEDIZIN: Diskussion

Pflanzenbiotechnologie - Neuartige Lebensmittel (Novel Food) und Pharmazeutika: Gentechnik effizient

Dtsch Arztebl 2001; 98(6): A-332 / B-266 / C-251

Schwabedissen, Otto Meyer zu

zu dem Beitragvon Dr. med. Elizabeth Schell-FrederickProf. Dr. rer. nat. Jozef Stefaan Schellin Heft 28-29/2000
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LNSLNS Die Autoren haben den entscheidenden Vorteil der Genzüchtung gegenüber der herkömmlichen Pflanzenzüchtung hervorgehoben und damit zum Ausdruck gebracht, dass nicht nur für die Pflanzenart, sondern auch für die Verwertung der Pflanze und die Methode der Genveränderung klarere Verhältnisse vorliegen. Die Verwertung von Pflanzen als Nahrungsmittel kann durch Züchtung, wie zum Beispiel beim Weizen aus Dinkel gefährlichere Intoleranzen hervorrufen als möglicherweise durch gezielte Genveränderung. Aus langjähriger Praxis und Beobachtung der Nahrungsintoleranz wissen wir, und ich habe das in Kreuzversuchen bestätigt gefunden, dass Weizen bei einzelnen Patienten Intoleranzerscheinungen hervorruft, während dies bei dem Verzehr von Dinkel nicht beobachtet wird. Die Kreuzung und Züchtung von Dinkel zu Weizen ist erst in jahrelangen mühsamen Versuchen gelungen. Durch Genmanipulation kann ein gezielter Einsatz im Hinblick auf das Ergebnis erreicht werden. Ob das Ergebnis der Züchtung für den Einzelnen günstig oder ungünstig ist, entscheidet nicht der Züchter sondern der Patient.
Jede Nahrung wird molekular verstoffwechselt. Um eine Mischkost, von einem durchschnittlichen Molekulargewicht von 100 000 Dalton, in der Größenordnung von 10 g zu verstoffwechseln, braucht es rechnerisch soviele Arbeitsschritte, bis das Nahrungsangebot in Energie umgesetzt wird, wie wenn man New York in ziegelsteingroße Steine zerlegt und dies 100 000-mal an einem Vormittag. Unter diesem Aspekt spielt es keine Rolle, ob genveränderte Nahrung zu einem Prozent erlaubt ist oder ob man diesen Prozentsatz über- oder unterschreitet, weil sich dadurch die molekulare Verstoffwechselung nur höchstens um zwei Zehnerpotenzen verkleinert. Gleiches gilt auch für das Einschleusen von pestizidresistenten Genen oder der Einschleusung von Genen, die den Nährwert einer Pflanze steigern oder vermehrt Vitamin A zur Prophylaxe produzieren. Im Vordergrund steht immer die molekulare Verstoffwechselung der Nahrungsmoleküle in H2O oder CO2 zur Energiegewinnung und zur Resynthese der durch Apoptose ausgeschiedenen Zellen. Hier muss, um aus der Nahrung die nötigen Grundsubstanzen zu bekommen, sowohl abgebaut, als auch resynthetisiert werden. Man kann sich überhaupt nicht vorstellen, auch dann nicht, wenn man sich das Chaos beim Abbau von New York vor Augen führt, wie ungeheuer diese Leistung ist, die der Organismus da tagtäglich vollführt.
Die Möglichkeit zur Produktion von Plantibodies scheint mir gegeben. Auch das Immunsystem kann in Sekundenschnelle Tausende von Antikörpern produzieren. Ob Greenpeace Recht hat, dass kommerziell erhältliche, genetisch modifizierte Kulturformen von Mais eine Gefahr für die menschliche Gesundheit darstellen, ist fraglich.
Vorsichtig und gezielt an die Genmanipulation der Nahrung heranzugehen, ist sicher besser, als durch langwierige Züchtung die Ernährungssituation bei sieben Milliarden Menschen sicherzustellen. Zudem lässt sich die Resistenz gegen Pflanzenkrankheiten eher verbessern, als dies durch Züchtung möglich ist.

Dr. med. Otto Meyer zu Schwabedissen
Am Stadtgarten 28, 77855 Achern

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