ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2001Neo-Rauch-Ausstellung: „RANDGEBIETE“

VARIA: Feuilleton

Neo-Rauch-Ausstellung: „RANDGEBIETE“

Dtsch Arztebl 2001; 98(6): A-335 / B-285 / C-267

Lange, Joachim

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LNSLNS Eine Traumreise zwischen Wiedererkennen und Fremdem

Neo Rauchs Bilder zeigen Arbeitende, Sportler und Hausfrauen,
Jäger und Feuerwehrleute zwischen Versatzstücken ihrer Lebenswirklichkeit. Da schwingt der Anfang der Werbeästhetik der Industriegesellschaft ebenso mit wie die Erinnerung an plakative Propaganda. Auch leere Sprechblasen verweisen eher auf den Assoziationsimpuls der Bildlösungen. Und dazwischen erfundene Fabelwesen.
Die nach einem der Bilder benannte Ausstellung „Randgebiete“ ist ei-
ne Traumreise zwischen Wiedererkennen und Fremdem. Neo Rauchs Bildsprache ist unverkennbar aus der „Leipziger Schule“ erwachsen. Aus dem malerischen Gestus eines Arno Rink oder der farblichen Expressivität eines Bernhard Heisig, bei denen Rauch in den 80er-Jahren an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst studierte, hat er sich emanzipiert und zu seiner eigenen Ausdrucksweise gefunden. Dieses Leipzig war auch zu DDR-Zeiten ein Ort der Malerei mit prägender Ausstrahlung. Dort wurde eine deutsche Maltradition bewahrt und weitergeführt. Natürlich nicht im apolitisch luftleeren Raum, manchmal auch in erzwungener pragmatischer Anpassung und manchmal mit

grimmigem Hader oder tarnender, historisierender Narretei. In Leipzig konnten aber immer auch Talente wie der 1960 in Leipzig geborene Neo Rauch gedeihen und reifen, sich an den Alten reiben und dabei in aller Ruhe ihre individuellen Handschriften ausprägen. Das rechte Mittel, um mit den Nachwirkungen der Ausstellung klarzukommen. Neo Rauchs mit dem Gegenständlichen spielenden Bildern haftet nichts provinziell Verengtes an. Sie scheinen im Gegenteil sogar höchst marktkompatibel. Selbst in den USA sollen sie hochbegehrt sein. Ein Aufbruch
in zivilisationskritische Weite findet sich da ebenso wie eine Reise ins individualistische, oft rätselhafte Innere; ohne den Seiltanz inhaltlicher Formverliebtheit und Unverbindlichkeit.
Den anspruchsvollen Stationen der Ausstellung entspricht der exzellente, von Klaus Werner herausgegebene Katalog. Er liefert ein Stück der Weltläufigkeit dieser „Randgebiete“, mit deutschen und englischen Texten und hervorragender Bildwiedergabe für jeden Besucher zum Nachhausetragen.
Stationen der Ausstellung: Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig, noch bis zum 25. Februar; Haus der Kunst München: 16. März bis 20. Mai; Kunsthalle Zürich: 9. Juni bis 5. August. Der Katalog zur Ausstellung kostet in Leipzig 32 DM, in München und später im Buchhandel
45 DM. Dr. Joachim Lange


Neo Rauch: „Regel“, Öl auf Papier, 2000


Neo Rauch: „Randgebiet“, Öl auf Papier, 2000
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