ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2001Postaktie: Wirklich kein Schnäppchen?

VARIA: Schlusspunkt

Postaktie: Wirklich kein Schnäppchen?

Dtsch Arztebl 2001; 98(7): [76]

Rombach, Reinhold

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Derzeit wird in recht vielen Masterlisten und Börsenstudien für die Postaktie getrommelt, und auch in der Wirtschaftspresse kommt der Titel durchweg gut weg.
Etliche Anlageberater raten Ihnen überdies, die Aktie möglichst schnell zu kaufen – das schlagkräftige Argument wird postwendend gleich mitgeliefert: Die Deutsche Post Networld AG ist ein heißer Aufstiegskandidat für den Deutschen Aktienindex DAX.
Was hat die Aufnahme in einen Aktienindex eigentlich mit einer Kaufempfehlung zu tun, werden Sie sich zu Recht fragen.
Zunächst ist es schon so, dass die Aufnahme in einen repräsentativen Index einer Aktie durchaus einen Schub bringen kann. Der Grund: Viele Investmentfonds werden danach beurteilt, ob sie was taugen oder nicht, wie sie im Vergleich zu einem bestimmten Index abgeschnitten haben. Bei deutschen Aktien ist diese Messlatte eben in den meisten Fällen genau der DAX, bei Japanern wäre es der Nikkei und in den USA der Dow Jones Industrial Index. Das gilt natürlich speziell für mehrere Dutzend Indexfonds, aber auch für andere Gattungen.
In der Praxis heißt das, die Fonds kaufen exakt die Aktien der Unternehmen, die im Index vertreten sind, unabhängig davon, wie viel die
AG wirklich „wert“ ist. Ein Gerücht über den Einstieg oder den Rauswurf aus einem solchen Index kann also umso mehr den Kurs der Aktie positiv oder negativ beeinflussen, je gewichtiger dieser Index ist.
Die Realität ist zuweilen eine andere, erst recht im Falle der Deutschen Post. Besagte Fonds, denen so viel zugetraut wird, haben nämlich seit langem Lunte gerochen und kaufen die Postaktie schon seit Wochen, wenn sie sich nicht schon bei der Emission reichlich bedient haben.
Nur so ist es auch zu erklären, dass die Post seit ihrem Börsengang mit gut zehn Prozent Plus eine vergleichweise zufrieden stellende Entwicklung genommen hat. Wenn die Aufnahme in den DAX tatsächlich erfolgt, wird sich auf diesem Argumentationslevel überhaupt nichts mehr
tun, weitere Kursgewinne sind aus diesem Aspekt eigentlich nicht mehr drin.
Bliebe natürlich noch die Fantasie aus der Unternehmensstory selbst, könnten Optimisten einwenden. Wollte man der Werbung glauben, ist die deutsche Post ja ein hoch-modernes Unternehmen, bei dem die Gewinne nur so sprudeln. Diese bunte Botschaft trifft aber keineswegs zu. Der „hochmoderne“ Logistikkonzern hat mit strategischen Problemen zu kämpfen. Die Gewinnmargen in den Wachstumsbereichen Express und Logistik liegen immer noch deutlich unter denen der Konkurrenz. Der Deutschen Post könnte also durchaus bald die Luft ausgehen. Der Aktie ebenso. Ich würde also eher verkaufen als einsteigen.
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema