ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2001Krebsnachsorge: Unredlich

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Krebsnachsorge: Unredlich

Dtsch Arztebl 2001; 98(7): A-353 / B-297 / C-277

Maus, Josef

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LNSLNS Dass die Spitzenverbände der Krankenkassen bei der Durchsetzung ihrer Interessen nicht zimperlich sind, ist keine neue Erkenntnis. Wie weit sie inzwischen aber dabei gehen, ist erschreckend. Aktuelles Beispiel: die Diskussion um die Aufnahme der Magnetresonanztomographie (MRT) bei der Krebsnachsorge von Frauen in den Leistungskatalog der Gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV).
Die Kassen werfen den Ärzten vor, die Einführung dieser Leistung aus purem finanziellen Eigennutz zu verweigern. Leidtragende seien diejenigen Frauen, die dringend auf die Diagnostik angewiesen seien, denen eine notwendige Methode nun aber vorerst verwehrt werde. In einer vorab verbreiteten Erklärung der Spitzenverbände war sogar von einer „Geiselnahme von Patienten für politische Gruppeninteressen“ die Rede.
Es trifft zu, dass die Vertreter der Ärzteschaft im Bundes­aus­schuss der Ärzte und Krankenkassen den Beschluss zum jetzigen Zeitpunkt nicht mitgetragen haben. Dafür waren zwei Gründe ausschlaggebend: Zum einen sind die Qualitätsanforderungen an die komplexe und technisch aufwendige Leistung noch nicht hinreichend geklärt. Zum anderen kämen auf die ambulante Versorgung (ungedeckte) Mehrkosten von rund 250 Millionen DM zu. Dazu schweigen sich die Krankenkassen aus. Der formale Hinweis darauf, dass ein Entschluss über die Finanzierung neuer Leistungen nicht Sache des Bundes­aus­schusses sei, sondern nachgeordneten Honorarverhandlungen vorbehalten bleiben müsse, kann nicht überzeugen.
Wenn die Krankenkassen die MRT als (unbestritten) sinnvolle und notwendige Leistung der Krebsnachsorge bei Frauen in die Leistungspflicht der GKV einführen wollen, dann stehen sie auch in der Finanzierungspflicht. Die Zusage, die Mehrkosten nicht in den ohnehin zu knapp bemessenen Budgets zu „versenken“ und damit erneut allein den Ärzten aufzubürden, würde reichen. Dies zu verschweigen und die vermeintlich „geldgierigen“ Ärzte an den Pranger zu stellen ist unredlich. Josef Maus
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