ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2001Neurodermitis: Genregion entdeckt

AKTUELL: Akut

Neurodermitis: Genregion entdeckt

Dtsch Arztebl 2001; 98(7): A-357 / B-301 / C-281

Richter, Eva A.

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LNSLNS Was bislang nur vermutet wurde, ist nun gewiss: Neurodermitis beziehungsweise atopische Dermatitis ist genetisch determiniert. Schon seit langem hatte man beobachtet, dass besonders jene Kinder die juckende Hautkrankheit entwickeln, deren Eltern ebenfalls darunter leiden. Die Forschergruppe um Dr. Young-Ae Lee von der Charité-Kinderklinik der Humboldt-Universität Berlin und des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin Berlin-Buch sorgte jetzt für Klarheit. Sie identifizierte in einer europaweiten Studie erstmals eine Genregion, die ursächlich an der Entstehung der Neurodermitis beteiligt ist (Nature Genetics 2000; 26: 470–473). An der vom Bun­des­for­schungs­minis­terium und vom Deutschen Humangenomprojekt geförderten Studie hatten 199 Familien aus Deutschland, Italien, Schweden und den Niederlanden mit mindestens zwei Kindern teilgenommen, die bereits im Alter bis zu zwei Jahren an einer Neurodermitis erkrankt waren.

Die Forscher durchsuchten systematisch das gesamte Genom der 839 Teilnehmer nach solchen Genregionen, die überdurchschnittlich häufig mit der Erkrankung vererbt werden. Dies traf deutlich auf einen Abschnitt auf Chromosom 3 (3q21) zu. „Wir gehen davon aus, dass die Krankheitsneigung auf Veränderungen im Gen beruht“, sagte Lee. „Wenn wir herausfinden, wie dieses Gen zur Entstehung von Neurodermitis und Allergien beiträgt, können wir in Zukunft gezielte Behandlungskonzepte entwickeln.“
Gleichzeitig konnte im Rahmen der Studie am gleichen Genort auf Chromosom 3 die erbliche Anlage zur Allergieneigung lokalisiert werden. Dieser Zusammenhang würde erklären, dass die meisten Kinder mit Neurodermitis auch Allergien entwickeln und Immunglobulin E gegen Nahrungs- und Umweltallergene bilden. Viele von ihnen leiden später unter Heuschnupfen oder Asthma. Von den in der Studie untersuchten Kindern waren beispielsweise 74 Prozent Allergiker. Die Wissenschaftler machten eine weitere Entdeckung: Es stellte sich heraus, dass ein Kind besonders dann eine Allergie entwickelt, wenn der Genort von der Mutter ererbt wird. Die Vererbung vom Vater scheint dagegen fast keine Rolle zu spielen. Die Forschungsgruppe sucht nun nach dem konkreten Krankheitsgen. Dr. med. Eva A. Richter
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