ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2001Didaktik in der Medizin: Neue Fortbildungsangebote

THEMEN DER ZEIT

Didaktik in der Medizin: Neue Fortbildungsangebote

Dtsch Arztebl 2001; 98(7): A-375 / B-300 / C-283

Hofer, Matthias

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Didaktische Kompetenz der Ausbilder in der Medizin kann verbessert werden.

Die praktische Ausbildung deutscher Medizinstudenten wird außer von Habilitierten vor allem von wissenschaftlichen Mitarbeitern bestritten. Meistens handelt es sich um Assistenzärzte, die weder pädagogisch geschult sind, noch an didaktischen Fortbildungsveranstaltungen teilgenommen haben.
Das didaktische Fortbildungsangebot für Ausbilder in der Medizin war in Deutschland bis vor wenigen Jahren im internationalen Vergleich unterentwickelt. Erst seit kurzem entwickeln sich praxisorientierte Ansätze zum Beispiel in Düsseldorf, Hamburg, München und Münster, die darauf abzielen, dieses Defizit zu beseitigen.
Viele in der Ausbildung tätige Ärzte an akademischen Lehrkrankenhäusern und Universitäten sind durchaus motiviert, die eigene didaktische Kompetenz zu verbessern, zumal etliche der im Folgenden aufgeführten Teilkompetenzen auch in der sonstigen medizinischen Karriere hilfreich sein können:
- Kenntnis lerntheoretischer Methodik
- sinnvolle Konzeption von Vorlesungen und Vorträgen
- Umgang mit neuen Medien und Präsentationsprogrammen
- Verbesserung der eigenen rhetorischen Fähigkeiten
- Kenntnis von Fallstricken in der zwischenmenschlichen Kommunikation
- Erkennen eigener Stärken und Schwächen und
- Erlernen von adäquaten Feedback- und Antwortstrategien.
In Düsseldorf gibt es seit neun Jahren ein Medizindidaktisches Pilotprojekt, in dem stufenweise fachliche und didaktische Trainingskonzepte für Ausbilder entwickelt und evaluiert worden sind. Es handelt sich um einwöchige Trainingseinheiten in kleinen Gruppen, in denen die Teilnehmer die Gelegenheit haben, die notwendigen Kompetenzen praxisnah in ausgewählten Unterrichtssituationen zu üben und zu verbessern. Dabei werden die Teilnehmer mit einer Videokamera aufgenommen und erhalten supervidiertes Feedback. Neben didaktisch versierten Ausbildern sind Diplom-Psychologen, Kommunikationstrainer, aber auch Studenten an dem Feedback beteiligt.
Ein ähnliches Konzept mit etwas unterschiedlichem Schwerpunkt bietet das IFAS (Institut für Ausbildung und Studienangelegenheiten) in Münster an: Hier werden im Verlauf mehrerer Wochenendseminare folgende Schwerpunkte gesetzt:
- Einführung Didaktik und Methodik
- Interaktionen im Lehr-/Lernprozess
- problemorientiertes Lernen
- neue Prüfungsmethoden/Evaluation
- neue Technologien/Multimedia.
Im Rahmen der „München-Harvard Educational Alliance“ werden einwöchige Einführungen in das „Problem-orientierte Lernen“ angeboten. Bei allen genannten Angeboten können Zertifikate erworben werden, die bei der Habilitation oder späteren Bewerbungen hilfreich sein können.
Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass didaktisch interessierte Mediziner bereits unter mehreren Möglichkeiten der didaktischen Fortbildung mit unterschiedlichen Schwerpunkten wählen können, auch wenn dies vielerorts nicht bekannt ist.
Informationen zu den Fortbildungsangeboten im Internet unter:
www.medidak-pilotprojekt.de, www.medweb.uni-muenster.de/
institute/ifas,www.med.uni-muenchen.de/harvard/mm.html

Dr. med. Matthias Hofer
Leiter des Medizindidaktischen Pilotprojektes in NRW
Institute für Diagnostische Radiologie und Anatomie II
Heinrich-Heine-Universität
Postfach 10 10 07, 40001 Düsseldorf
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema