ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2001Embryonenschutz: Journalistische Schlittenfahrt

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Embryonenschutz: Journalistische Schlittenfahrt

Dtsch Arztebl 2001; 98(7): A-386 / B-310 / C-290

Sewing, Karl-Friedrich

Zu dem Kommentar „Englische Verführung“ von Norbert Jachertz in Heft 3/2001:
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LNSLNS Im Deutschen Ärzteblatt hat dessen Chefredakteur Norbert Jachertz meinen Aufsatz „Warum nicht Embryonen? Gegen eine Ethik mit Scheuklappen“ in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 29. Dezember 2000 „kommentiert“. Die Äußerungen von Jachertz (inhaltlich hat er sich mit dem Aufsatz überhaupt nicht auseinander gesetzt) zeigen, dass es in ihm Gott sei Dank wenigstens einen Menschen in Deutschland gibt, der auf die schwierigen Fragen der modernen Medizin eine Antwort weiß. Er wird auch sicherlich Gleichgesonnene finden, die ihm die Richtigkeit seiner Denke bestätigen. Im Namen der von ihm gleichermaßen wie ich gescholtenen interessierten Forscher (Diese haben der Ärzteschaft seit Jahrhunderten durch ihre Arbeit ermöglicht, ihre Patienten auf hohem wissenschaftlichem und technischem Niveau erfolgreich zu behandeln.) entschuldige ich mich dafür, dass sie anders denken als Jachertz. Ob Jachertz wohl weiß, dass nicht gerade die dümmsten Ärzte, Naturwissenschaftler, Juristen, Theologen und Philosophen zurzeit in den verschiedensten Gremien (Wissenschaftlicher Beirat der Bundes­ärzte­kammer, Deutsche Forschungsgemeinschaft, European Sci-
ence Foundation) um einen sachgerechten und ethisch und rechtlich vertretbaren Umgang mit den modernen medizinischen Problemen ringen? Bei solchen Äußerungen des Chefredakteurs des Deutschen Ärzteblattes darf sich niemand wundern, wenn die Diskussion um die brennenden Themen der modernen Medizin auf hohem sachkundigem und ethischem Niveau (wenn man von den Äußerungen von Nida-Rümelin einmal absieht, mit dem Jachertz mich gerne gedanklich zu identifizieren versucht) nicht im Deutschen Ärzteblatt, sondern (auch von Ärzten) in den großen Tages- und Wochenzeitungen geführt wird. Eine journalistische Schlittenfahrt nach Jachertzschem Strickmuster schadet der deutschen Ärzteschaft, nicht aber demjenigen, den er im Fadenkreuz seines „Kommentars“ hat.
Prof. Dr. med. Karl-Friedrich Sewing, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der Bundes­ärzte­kammer, Herbert-Lewin-Straße 1, 50931 Köln

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