ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2001Embryonenschutz: Wer ist die deutsche Ärzteschaft?

BRIEFE

Embryonenschutz: Wer ist die deutsche Ärzteschaft?

Dtsch Arztebl 2001; 98(7): A-386 / B-310 / C-290

Rittner, Ch.

Zu dem Kommentar „Englische Verführung“ von Norbert Jachertz in Heft 3/2001:
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LNSLNS Herr Jachertz greift den Vorsitzenden des Wissenschaftlichen Beirats der Bundes­ärzte­kammer, Prof. Dr. Sewing, wegen seines Aufsatzes in der FAZ massiv an, indem er die Behauptung aufstellt – als Chefredakteur des Deutschen Ärzteblattes als solcher gekennzeichnet –, dass Sewings Auffassungen zwar „von interessierten Forschern“, aber nicht von der „verfassten Ärzteschaft“ geteilt würden.
Wer ist das? Die gesamte deutsche Ärzteschaft? Der Deutsche Ärztetag? Der Präsident/Vizepräsident der Bundes­ärzte­kammer? Wann hat eine Abstimmung über das therapeutische Klonen stattgefunden? Das müsste mir entgangen sein!
Es ehrt die Herren Prof. Hoppe und Dr. Montgomery, wenn sie für die Beibehaltung des deutschen Embryonenschutzgesetzes plädieren, das therapeutisches Klonen verbietet. Dennoch handelt es sich dabei nur um ihre persönliche Meinung. Auch dem Chefredakteur des Mitteilungsblattes aller deutschen Ärztinnen und Ärzte steht eine solche apodiktische Feststellung nicht zu. Sie hat eine herabsetzende Tendenz, die gerade bei einem so sensiblen Thema Herrn Jachertz nicht gut zu Gesicht steht. Warum nicht den ethischen Diskurs im Deutschen Ärzteblatt eröffnen, wie zur PID geschehen? Warum nicht ein Leserforum, wo jeder zu Wort kommt? Es sind im Übrigen längst nicht nur „interessierte (etwa profitorientierte?) Forscher“, die sich mutig dafür aussprechen, dass Deutschland nicht bei dem Anspruch verharrt, eine Insel höchster ethischer Maßstäbe in Europa bleiben zu wollen und dabei die Entwicklung eines der aussichtsreichsten therapeutischen Ansätze dieses Jahrtausends zu verpassen.
Prof. Dr. med. Ch. Rittner, Institut für Rechtsmedizin, Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Am Pulverturm 3, 55131 Mainz
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