ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2001Bundeswehreinsatz: Kein Ruhmesblatt

BRIEFE

Bundeswehreinsatz: Kein Ruhmesblatt

Dtsch Arztebl 2001; 98(7): A-388 / B-312 / C-292

Kemmer, Willy

Zu dem Beitrag „Bundeswehreinsatz in Ost-Timor: Medizinische Mission“ von Dr. med. Achim Müller-Lorenz, Jens Felsch und Frank Heßler in Heft 1–2/2001:
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LNSLNS Der Rückblick auf die Timor-Mission der deutschen Sanitätstruppe vor einem Jahr fällt notgedrungen bescheiden aus. Kein Ruhmesblatt ist die Leistungsbilanz der zwei Millionen DM teuren Evakuierungsflüge (MEDEVAC): Von 230 Patiententransporten in den fünf Monaten waren nur ganze acht Notfälle, also über 95 Prozent „routinemäßige“ Fehleinsätze: reaktive Depressionen, Belastungsreaktionen der UN-Truppe. Einheimische Landesbewohner kamen nicht in den Luxus dieser Sonderflüge. Sie, um die es eigentlich gehen sollte, wurden von Hilfsorganisationen medizinisch versorgt. MSF bekam damals den Nobelpreis.
Auch ich selbst war drei Monate unentgeltlich tätig. Von der Lage vor Ort zeigen die Autoren lückenhafte Kenntnisse. Sonst wäre ihnen manches nicht so entgangen, sodass noch heute ein Fünftel der Einwohner in Flüchtlingslagern festgehalten sind, Milizen dort UN-Mitarbeiter erschießen, andererseits funktionsfähige Krankenhäuser auf der Insel existieren (ICRC in Dili), die auch über Acetyl-Cystein verfügen . . .
Gut erinnerlich ist dagegen die „locker-humorvolle . . . Zusammenarbeit . . .“ in Darwin. Vermutlich ging es dabei weniger um humanitäre Aufgaben als um die Erhöhung des lokalen Bierkonsums im australischen Outback. Insgesamt muss die Frage erlaubt sein, was die deutsche Sanitätstruppe dort am anderen Ende der Welt eigentlich verloren hatte.
Dr. Willy Kemmer, Dorfstraße 10, 39307 Parchen
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