ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2001Nichtinvasive Gefäßdiagnostik: Ressourcenverschwendung

MEDIZIN: Diskussion

Nichtinvasive Gefäßdiagnostik: Ressourcenverschwendung

Dtsch Arztebl 2001; 98(7): A-408 / B-345 / C-322

Weigel, Gerd

von Prof. Dr. med. Dietbert Hahn Dr. med. Werner Kenn Dr. med. Günther Wittenberg Dr. med. Ulrich Krause Georg Schultz Dr. rer. nat. Thomas Pabst in Heft 39/2000
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LNSLNS Insgesamt ist der Aufmacher (MRT-Angiographie verdrängt die DSA) etwas undifferenziert und der Sache nicht gerecht. Als Gefäßchirurgie sind wir immer wieder mit einem Wust von Vordiagnostik, die im besten Fall irrelevant, im schlechtesten Fall überhaupt nicht auszuwerten ist, konfrontiert. Dies gilt sowohl für zahlreiche Duplexuntersuchungen als auch für die so genannten MR-Angiographien. Freilich sind die Bilder, die sie darstellen, bestechend. Ich nehme an, dass sie die Obergrenze der derzeitigen Qualität darstellen. Leider muss man sich in der Praxis mit den Niederungen, nicht der Spitzenleistung, sondern der durchschnittlichen Leistungen im diagnostischen Bereich zufrieden geben und da ist speziell die MR-Angiographie, was die Feindiagnostik als Voraussetzung zu einer invasiven Maßnahme anbelangt, nicht immer dem von Ihnen dargestellten Standard entsprechend. Das gleiche gilt leider auch für zahlreiche DS-Angiographien aus Instituten, die offensichtlich nicht auf eine entsprechende Gefäßdarstellung mit ständiger Rückkopplung durch einen Therapeuten zurückgreifen können.
Die Formulierung „für rein diagnostische Zwecke“ sollte eigentlich derzeit obsolet sein. Eine Diagnostik nur um ihrer selbst Willen verbraucht lediglich Ressourcen ohne therapeutische Konsequenzen. Hinter einer solchen Diagnostik sollte immer die Frage nach der eventuellen Therapiemöglichkeit stehen.
Im Bereich der Halsgefäße kann ich Ihre Einschätzung der MR-Angiographie der supraaortischen Äste nicht ganz teilen, speziell die Differenzierung zwischen höchstgradigen Stenosen und Verschlüssen einerseits sowie das Vorliegen von intracraniellen nachgeschalteten hochgradigen Stenosen im Karotisstromgebiet ist derzeit in der DSA eindeutig besser darzustellen. Bezüglich der Handgefäße fehlt mir die Erfahrung; was die thorakalen Gefäße anbelangt, muss man im Falle einer Lungenembolie auch daran denken, dass die Pulmonalis-Angiographie immer noch die Option zur therapeutischen Maßnahme birgt, was man von der MRA nun wirklich nicht sagen kann. Auch hier gilt das oben erwähnte Prinzip: Eine teure Diagnostik, nur um eine klinisch sichere Diagnose zu bestätigen, ist nicht zu verantwortende Ressourcenverschwendung.

Dr. med. Gerd Weigel
Klinik für Gefäßchirurgie
Asklepios Kliniken Schildautal
Karl-Herold-Straße 1
38723 Seesen

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