ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2001Sibutramin: Hilfsmittel für eine milde Gewichtsreduktion

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Sibutramin: Hilfsmittel für eine milde Gewichtsreduktion

Dtsch Arztebl 2001; 98(7): A-413 / B-335 / C-313

Meyer, Rüdiger

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LNSLNS Der Wirkstoff Sibutramin hat sich in den ersten anderthalb Jahren seit der Zulassung in der Praxis als mildes Medikament zur Therapie der Adipositas bewährt. Dies zeigen die Ergebnisse einer Phase-IV-Studie, die auf der 16. Jahrestagung der Deutschen Adipositas-Gesellschaft in München vorgestellt wurden. Im Rahmen der gesetzlich geforderten Anwenderbeobachtung nahmen 6 360 Patienten mit ernährungsbedingter Adipositas zwölf Wochen täglich eine Tablette mit 10 mg Sibutramin (Reductil®, Astra Zeneca GmbH und Knoll Deutschland GmbH) ein.
Wie Prof. Jürgen Scholze (Charité Berlin) referierte, betrug die durchschnittliche Gewichtsabnahme im Zeitraum von drei Monaten etwa zehn Kilo. Dieser Wert entsprach den Erwartungen, da in den vorausgegangenen klinischen Studien das Körpergewicht um fünf bis 12,5 Prozent reduziert werden konnte.
Damit stand schon früh fest, dass Sibutramin eine vergleichsweise milde Wirkung hat und auf keinen Fall als „Wundermittel“ gegen die massive Adipositas angesehen werden darf. „Es ist auch kein Ersatz für eine Umstellung der Ernährung und andere nichtmedikamentöse Ansätze zur Gewichtsreduktion“, erklärte Scholze, der sich in München für einen interdisziplinären Ansatz aussprach.
Auch für die Therapie adipöser Hypertoniker geeignet
Ziel von Phase-IV-Studien ist ein zusätzlicher Sicherheits-Check nach der Zulassung. In Bezug auf Sibutramin interessierte vor allem die Auswirkung der Therapie auf den Blutdruck. Aufgrund einer leichten Blutdrucksteigerung hatte die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA im September 1996 die Zulassung für den Wirkstoff verweigert. Auf den Markt kam es in den USA dann im November 1997, in Deutschland ist es seit Februar 1999 verfügbar.
Nach den bisherigen Erfahrungen ist die Blutdrucksteigerung mit ein bis vier mm Hg gering. Gleichzeitig kommt es zu einem Anstieg der Pulsfrequenz um drei bis fünf Schläge je Minute. Interessanterweise sind hiervon in erster Linie Normotoniker betroffen. Bei primär hypertonen Patienten kam es dagegen zu einem leichten Blutdruckabfall von zwei mm Hg diastolisch und acht mm Hg systolisch.
Sibutramin hat eine günstige Wirkung auf das kardiovaskuläre Risikoprofil der Patienten: In der Phase-IV-Studie litten 33,7 Prozent der Patienten begleitend an einer Hypertonie, 22,7 Prozent hatten eine Dyslipoproteinämie, und bei 12,2 Prozent hatten die Ärzte einen Diabetes mellitus diagnostiziert. Unter der kurzen Behandlung änderte sich das Lipidprofil vorteilhaft: Cholesterin, LDL und Triglyzeride sanken prozentual in etwa gleich stark wie das Gewicht.
Bei den Diabetikern, die eine zehnprozentige Gewichtsreduktion erzielten, sank der HbA1C-Wert um 0,7 Prozentpunkte, bei unter Sulfonylharnstoff-behandelten Typ-II- Diabetikern sogar um einen Prozentpunkt.
Nach den Ergebnissen der UKPD-Studie entspräche dies einer Risikoreduktion der kardiovaskulären und mikrovaskulären Ereignisse um etwa 20 Prozent. Ob Sibutramin tatsächlich diese Wirkung erzielt, lässt sich derzeit noch nicht sagen. Bisher gibt es keine Studien, die den Einfluss der Behandlung auf Morbidität und Mortalität untersucht hätten.
Außerdem setzt die Prävention voraus, dass das Mittel langfristig eingenommen wird. Denn nach dem Absetzen des Appetitzüglers muss mit einer erneuten Gewichtszunahme gerechnet werden. Dies unterstreicht den Wert der begleitenden Therapie. Sibutramin sollte maximal ein Jahr eingenommen werden. Rüdiger Meyer
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