ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2001Kolorektalkarzinom: Verbesserungen in kleinen Schritten

AKTUELL: Akut

Kolorektalkarzinom: Verbesserungen in kleinen Schritten

Dtsch Arztebl 2001; 98(8): A-425 / B-361 / C-337

Meyer, Rüdiger

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LNSLNS Die Chemotherapie des metastasierten Kolorektalkarzinoms hat sich in den letzten vier Jahrzehnten wenig verändert. Fluorouracil (5-FU) ist unangefochten das Mittel der ersten Wahl – und dies, obwohl jedes neue Chemotherapeutikum auch zur Therapie des Kolorektalkarzinoms untersucht wurde. Geringe Verbesserungen hat Mitte der 90er-Jahre der Zusatz von Folinsäure gebracht. Umstritten ist dagegen weiterhin, wie 5-FU am besten appliziert werden sollte. Als Bolus – wie in den USA üblich – oder als längere Infusion, die in Europa viele Anhänger hat. Große therapeutische Unterschiede bestehen zwischen beiden Verfahren nicht. Vor diesem Hintergrund wird verständlich, dass die Ergebnisse einer MulticenterStudie als Verbesserung gewertet werden, in der die mediane Überlebenszeit von 12,6 auf (nur) 14,8 Monate verlängert werden konnte, wie dies in der amerikanischen Irinotecan-Studie der Fall war (NEJM 2000; 343: 905–914).
An der Studie nahmen 683 Patienten mit metastasiertem Kolorektalkarzinom teil. Sie wurden entweder mit Irinotecan, mit 5-FU oder – in einem dritten Studienarm – mit einer Kombination von 5-FU und Irinotecan behandelt. Irinotecan, ein Topoisomerase-I-Hemmer, hatte sich in früheren Studien als Mittel der zweiten Wahl nach einem Versagen von 5-FU bewährt (Fast-track FDA-Zulassung Juni 1996). Das Arzneimittel hat einen Wirkungsmechanismus, der sich von 5-FU unterscheidet: Er verhindert eine korrekte dreidimensionale Faltung der DNA.

Es bestanden große Hoffnungen, dass Irinotecan 5-FU als Mittel der Wahl ablösen würde. Dies ist zwar nicht gelungen, denn als Monosubstanz ist Irinotecan nicht wirksamer als 5-FU. Doch die Kombination beider Medikamente führte zu einer Anti-Tumor-Wirkung, wie sie beim metastasierenden Kolorektalkarzinom bisher nicht erzielt worden war: Es wurde nahezu eine Verdoppelung der Ansprechrate von 21 auf 39 Prozent erzielt. Mit 49 versus 31 Prozent waren die Ergebnisse der parallel laufenden europäischen Studie noch besser (Lancet 2000; 355: 1041–47). Die Kombination wurde von der FDA bereits zugelassen. Rüdiger Meyer
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