ArchivDeutsches Ärzteblatt36/1996Enuresis nocturna: ADH-Analogon als Tablette verfügbar

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Enuresis nocturna: ADH-Analogon als Tablette verfügbar

Bischoff, Martin

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LNSLNSLNSLNS Von einer primären Enuresis nocturna spricht man, wenn ein Kind nicht länger als zwei bis drei Monate trocken war. Sie wird nicht durch seelische Probleme verursacht, sondern zieht solche Probleme eher nach sich. Von der primären muß eine sekundäre Enuresis unterschieden werden, die nach Monaten des Trockenseins durch traumatisierende Erlebnisse ausgelöst werden kann.
Beide Formen zusammen betreffen zehn Prozent aller Kinder zwischen fünf und zehn Jahren – vorwiegend Buben – und ein bis zwei Prozent der Erwachsenen. Auf einer Pressekonferenz in Kiel berichtete Dr. R. Mallmann (Universitätsklinik Bonn) über Möglichkeiten der Therapie und erste Erfahrungen mit Desmopressin (Minirin), das ab Mai von Ferring Arzneimittel als Tablette zu 0,2 mg zur Verfügung steht. Bisher war die Substanz nur als Nasenspray verfügbar.
Desmopressin ist ein synthetisches Analogon des antidiuretischen Hormons (ADH). ADH sorgt in der Niere dafür, daß der Urin konzentriert und in geringeren Mengen ausgeschieden wird.
Desmopressin sollte zunächst nur etwa sechs Wochen gegeben werden, gefolgt von einer Pause. Die Behandlungstage bedeuten für das Kind in aller Regel ein großes Erfolgserlebnis. Um die hohe Rückfallrate in der therapeutischen Pause aufzufangen, empfiehlt Mallmann danach die apparative Blasenkonditionierung. Die Kombination aus Alarmsystem (Klingelhose) und Desmopressin hat sich auch nach jüngsten Studien in Großbritannien als überaus erfolgreich erwiesen. Trizyklische Antidepressiva sollten bei der Enuresis nocturna grundsätzlich nicht mehr eingesetzt werden, da ihr Effekt in keinem Verhältnis zu den Nebenwirkungen steht.
Martin Bischoff
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