ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2001Gesundheitsausgaben in Deutschland: Der Weg des Geldes

POLITIK

Gesundheitsausgaben in Deutschland: Der Weg des Geldes

Dtsch Arztebl 2001; 98(8): A-437 / B-370 / C-344

Rieser, Sabine

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LNSLNS Die Datenlage im Gesundheitswesen gilt als schlecht. Das Statistische Bundesamt will nun zur Verbesserung beitragen.


Die Deutschen bezahlen Mercedes und fahren Golf – so wird in letzter Zeit öfter die These umschrieben, dass Ausgaben und Leistungen im Gesundheitswesen deutlich auseinander klaffen. Doch nicht nur die Effizienz der Ausgaben ist umstritten. „Wer bezahlt was, und wo wird was produziert – bislang konnte das Statistische Bundesamt hierauf keine befriedigende Antwort geben“, sagte dessen Präsident Johann Hahlen in der vergangenen Woche in Berlin. Das soll sich ändern: „Mit der neuen Gesundheitsausgabenrechnung liegt aussagekräftiges Datenmaterial vor, das die gesellschaftlichen und politischen Anforderungen an ein modernes Rechensystem erfüllt.“
Das Konzept orientiert sich an der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung. So wurden die Leistungsarten neu gefasst. Was sich langweilig anhört, ist sinnvoll. Früher gab es beispielsweise nur grobe Kategorien wie „stationäre Behandlung“. Nun lassen sich deren einzelne Bestandteile auch direkt abfragen, also stationäre ärztliche Leistungen, pflegerische Leistungen, Unterkunft und Verpflegung, Arzneimittel und anderes. Außerdem unterscheiden die Statistiker jetzt nach verschiedenen „Einrichtungen“, also Arztpraxen, Krankenhäusern und so weiter.
Die aktuellen Unterteilungen orientieren sich an internationalen Erfordernissen. Das ist nützlich, wenn man die Gesundheitsausgaben verschiedener Länder vergleichen möchte, ohne allzu viele Abstriche machen zu müssen. „Die Neuerungen ermöglichen sehr viel genauere Analysen“, betonte Hahlen. Ein weiterer positiver Effekt: Von 2002 an soll es nur noch etwa ein Jahr dauern, bis die Daten eines Berichtsjahrs vorliegen.
In der vergangenen Woche konnte der Präsident des Statistischen Bundesamtes allerdings erst auf die Ergebnisse der Statistik für 1998 verweisen. Damals wurden in Deutschland 412,7 Milliarden DM für Gesundheitsleistungen aufgewendet, mehr als die Hälfte davon (56,1 Prozent) von der GKV. Die Ausgaben waren damit dreimal so hoch wie der Inlandsumsatz (ohne Mehrwertsteuer) der deutschen Automobilindustrie. Im Gesundheitswesen waren allerdings mehr als viermal so viele Menschen beschäftigt wie in der Automobilindustrie.
Am meisten Geld für „Waren“
Insgesamt entsprachen die Ausgaben 10,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Ob das viel oder wenig ist, ist Ansichtssache. Einen gewissen Anhaltspunkt vermittelt der internationale Vergleich. So lagen die Gesundheitsausgaben je Einwohner 1998 in den USA bei 4 040 Euro, in der Schweiz bei 2 770, in Deutschland bei 2 370, in Frankreich bei 2 100, in den Niederlanden bei 1 930, in Japan bei 1 860, in Italien bei 1 690 und in Großbritannien bei 1 680 Euro.
Das meiste Geld wurde 1998 für „Waren“ ausgegeben (Grafik). Darunter werden Arzneimittel, Hilfsmittel, Zahnersatz und Implantate, Blutprodukte und medizinischer Bedarf zusammengefasst. Erst an zweiter Stelle folgen ärztliche, dann pflegerische und therapeutische Leistungen. Fasst man die Ausgaben im ambulanten Bereich (Arztpraxen, Apotheken, anderes) zusammen, belaufen sie sich auf 186,7 Milliarden DM (45,2 Prozent der Gesundheitsausgaben). In Krankenhäusern und sonstigen (teil-)stationären Einrichtungen summierten sie sich 1998 auf 157,9 Milliarden DM (38,2 Prozent).
Wer mehr wissen möchte, findet ausführliche Daten des Statistischen Bundesamtes zum Gesundheitswesen unter www.gbe-bund.de.
Sabine Rieser


Die neuen Kategorien sind noch ungewohnt. „Waren“ ist der Sammelbegriff für Arzneimittel, Hilfsmittel, Zahnersatz und Implantate, Blutprodukte sowie medizinischen Bedarf. „Ärztliche Leistungen“ sind ärztliche Grundleistungen, Sonder-, Labor- und strahlendiagnostische Leistungen. In „Forschung/Ausbildung“ sind derzeit lediglich Ausgaben der öffentlichen Haushalte für Gesundheitsforschung und -ausbildung enthalten.
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