ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2001Diabetesversorgung: Hausärzte weisen Kritik zurück

POLITIK

Diabetesversorgung: Hausärzte weisen Kritik zurück

Dtsch Arztebl 2001; 98(8): A-438 / B-387 / C-349

Maus, Josef

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LNSLNS Der BDA sieht strukturelle Probleme bei der Früherkennung und Betreuung.

Die Diabetikerversorgung ist in den Blickpunkt der Politik gerückt. Mit einem „Nationalen Aktionsplan Diabetes“ will die SPD-Bundestagsfraktion eine höhere Versorgungsqualität erreichen (dazu DÄ, Heft 5/2001). Dass überhaupt Handlungsbedarf für die Politik besteht, lastet der sozialdemokratische Gesundheitspolitiker Horst Schmidtbauer der Ärzteschaft an. Sie hätte es zugelassen, dass sich die Versorgung der Diabetiker verschlechtert habe.
In einem Interview mit dem Spiegel mahnen die Initiatoren des „Nationalen Aktionsplanes“ zugleich eine Verbesserung der fachlichen Qualifikation der Hausärzte an. Dies war ein taktischer Fehler, denn der Berufsverband der Allgemeinärzte Deutschlands (BDA) reagiert pikiert. Gut gemeint sei oft das Gegenteil von gut gemacht, lautet die Entgegnung des Hausärzteverbandes. In jüngster Zeit, so der BDA weiter, habe sich bei Politikern und den sie beratenden wissenschaftlichen Gremien ein fataler Hang zur Verkürzung komplexer Problemlagen gezeigt.
Der BDA wirft der Politik nun vor, mit der pauschalen Ärzteschelte die strukturellen Ursachen, die eine rechtzeitige Früherkennung und funktionierende Langzeitbetreuung der Diabetiker durch Hausärzte erschweren, zu verschleiern. Aus Sicht des Verbandes ist dies in erster Linie die freie Arztwahl. Der Gesetzgeber selbst habe damit den Versicherten das Case-Management bei chronischen Krankheiten übertragen. So fehle die Verpflichtung von Patienten aus Risikogruppen, sich regelmäßig beim Hausarzt untersuchen zu lassen. Nur dann könne verhindert werden, „dass Patienten mit Diabetes zum Teil jahrelang wegen einer anderen Primärindikation von fachärztlichen Spezialisten auf hohem Niveau behandelt werden, ohne dass diese Diabetes diagnostizieren“.
Möglicherweise werden die fachärztlichen Berufsverbände diese Darstellung mit denselben Worten kritisieren, wie das der BDA gegenüber der Politik getan hat: mit dem Hang zur Verkürzung komplexer Problemlagen. Die Ärzteschaft insgesamt muss sich auf die Initiative der SPD einstellen. Denn darin könnte sich der Hang der Politik zu vermehrten staatlichen Eingriffen in die Belange der ärztlichen und gemeinsamen Selbstverwaltung ausdrücken. Der „Nationale Aktionsplan Diabetes“ könnte ein erstes Beispiel dafür sein, was die Bundesregierung von dem neuen Koordinierungsausschuss möchte: Vorgaben für die medizinische Versorgung. Josef Maus
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