ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2001Blutbild: Schlussfolgerungen wird widersprochen

BRIEFE

Blutbild: Schlussfolgerungen wird widersprochen

Dtsch Arztebl 2001; 98(8): A-453 / B-383 / C-357

Dittmann, R. W.; Weber, Hans-J.

Zu der Bekanntgabe der Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft „Blutbildveränderungen unter dem neueren atypischen Neuroleptikum Olanzapin“ in Heft 3/2001:
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Die Mitteilung scheint zu dem Schluss zu kommen, dass das Sicherheitsprofil von Olanzapin dem von Clozapin hinsichtlich Neutropenie und Agranulozytose näher ist als bisher angenommen. Wir stimmen dieser und anderen Schlussfolgerungen der Mitteilung nicht zu.
Der Zusammenhang von Clozapin und Agranulozytosen ist mit ein bis zwei Fällen pro 100 Patienten gut dokumentiert (Alvir et al., 1993). Dagegen zeigen die Daten für Olanzapin, im Gegensatz zu Clozapin, kein erhöhtes Risiko einer Agranulozytose und/oder schweren Neutropenie. Es wird geschätzt, dass seit der Markteinführung etwa fünf Millionen Patienten mit Olanzapin behandelt worden sind. In dieser Zeit hat Lilly nur eine sehr geringe Zahl von Spontanberichten über Agranulozytose/ schwere Neutropenie erhalten (< 1 pro 10 000 Patienten). Gemäß der Definition der CIOMS-III-Richtlinien wurde über Agranulozytose/schwere Neutropenie nur „sehr selten“ (< 0,01 %) im Zusammenhang mit der Gabe von Olanzapin berichtet. In den meisten dieser Fälle wurde die klinische Bewertung durch multiple Co-Medikation (einige mit bekanntem zeitlichen Zusammenhang mit Einfluss auf das Knochenmark, wie zum Beispiel Chemotherapeutika), zwischenzeitlich andere Krankheiten oder Bluterkrankungen in der Anamnese erschwert, sodass der Zusammenhang zwischen Olanzapin und der Agranulozytose klinisch und wissenschaftlich schwierig zu belegen war.
In der Mitteilung heißt es, dass 74 Spontanberichte über Störungen des weißen Blutbildes in zeitlichem Zusammenhang mit einer Olanzapinbehandlung beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte und der Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft vorliegen. Leider sind in der Mitteilung keine weiteren detaillierten Angaben über die Art der hämatologischen Befunde enthalten.
Zusammenfassend stellen wir fest, dass die Inzidenz schwerer Neutropenien unter Olanzapin genauso häufig oder seltener ist als zum Beispiel unter Risperidon, Quetiapin, Haloperidol oder Chlorpromazin.
Der Hinweis der AkdÄ, das Blutbild der Patienten in regelmäßigen Abständen zu kontrollieren, steht im Einklang mit allgemein bekannten Routinemaßnahmen für die Behandlung mit Antipsychotika entsprechend anerkannten Standardwerken. Die Empfehlung ist aber nicht spezifisch für Olanzapin.
Lilly Deutschland GmbH, Prof. Dr. med. Dr. phil. R. W. Dittmann, Dr. med. Hans-J. Weber, Saalburgstraße 153, 61350 Bad Homburg
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema