ArchivDeutsches Ärzteblatt36/1996Advanced-Photo-System – praktisch, handlich, gut?

VARIA: Technik für den Arzt

Advanced-Photo-System – praktisch, handlich, gut?

Orbach, Heinz

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LNSLNS Im Jahr 1995 wurden 4,3 Milliarden Farbpapierbilder gedruckt, insgesamt waren es 5,1 Milliarden Aufnahmen, die gemacht wurden. Größenordnungen, die man sich kaum mehr vorstellen kann. Dennoch, die Industrie weiß um die Schwachstellen des klassischen Kleinbildsystems. Dieses System hat sich bei Profis und Wissenschaftlern bewährt. Bei den Amateuren gibt es allerdings häufiger Probleme. Nahezu 100 Millionen Filme sind jährlich durch Fehler in der Handhabung nicht richtig belichtet. Rund 30 Millionen sind unbelichtet. 50 Millionen Filme weisen teilweise flaue Bilder auf, 12 Millionen Filme wurden doppelt belichtet.
Die Industrie kam nach zahlreichen Untersuchungen der "Handling-Fehler" zu dem Ergebnis, nur ein absolut neues System für die Amateurfotografen – und nur für diese – kann Abhilfe schaffen. Das Kleinbildsystem für Profis und Wissenschaft bleibt von allen Neuentwicklungen unberührt. Das heißt, bei dem konventionellen Kleinbild-System und dem A.P.S. sind die Systemteile nicht kompatibel. Eine Firma alleine kann, das wußten die Manager, eine solche Neuentwicklung finanziell nicht verkraften. Das erste Mal in der Geschichte der Fotografie schlossen sich fünf Systementwickler, Kodak, Fuji, Canon, Minolta und Nikon, zusammen und schufen den Advanced-Photo-System-Standard. Dieser neue Standard wird, so sehen es die beteiligten Firmen, die Bedürfnisse der Amateure voll befriedigen. 1991 wurde die Entwicklergruppe aktiv, 2 000 Patente konnten bereits angemeldet werden, bisher gibt es 43 Lizenznehmer. Seit wenigen Monaten ist das System auf dem Markt. Eine herausragende Benutzerfreundlichkeit zeigt sich in der kleineren, einfacher zu handhabenden Filmkassette, die nur eingelegt werden muß. Das Einfädeln des Films ist nicht mehr erforderlich. Das neue Format hat die Größe 16,7 x 30,2 mm. Es ist kleiner als das Kleinbildformat. Die gleiche Abbildungsqualität läßt sich nur durch verbesserte Filmemulsionen erreichen. Die Filmhersteller Agfa, Fuji und Kodak bieten dieses verbesserte Material bereits an. Bei Agfa gibt es den "Agfa-Futura" mit einer Empfindlichkeit von ISO 100 und 400. Für unterschiedliche Aufnahmeanforderungen bietet Fuji die Colornegativfilme Nexia F 100 (Fine Grain), Nexia A 200 (allround) und den Nexia H 400 (High Speed) an. Bei Kodak gibt es für das A.P.S. die Adventix-Filme. Auch Kodak bietet Empfindlichkeiten von 100, 200 und 400 ISO an. Bei allen Filmherstellern gibt es Filme für jeweils 15, 25 oder 40 Aufnahmen.
Ein neues Fotosystem, am Ende des 20. Jahrhunderts entwickelt, muß irgend etwas mit Bytes und Digitalem zu tun haben, so auch hier. Die neuen Filme sind mit einer Magnetschicht überzogen. Zur Zeit können 400 Bytes pro Aufnahme gespeichert werden. Falls die Kamera dafür ausgerüstet ist, lassen sich Bildtitel aus einem vorgegebenen Katalog auswählen. Mit entsprechender Technologie geht es so weit, daß Titel bei Kameras frei eingegeben werden können. Die Bildnummern werden auf der Rückseite aufgedruckt, hier können bis zu 80 Zeichen, verteilt auf zwei Zeilen, gespeichert werden. Datum und Uhrzeit sind dabei fast selbstverständlich. Künftig wird man insgesamt 128 Kilobytes speichern können, das entspricht etwa 32 Seiten Text. Von höherwertigen Kameras werden automatisch Bildverbesserungsdaten erfaßt. Sie speichern Angaben zur Aufnahmebeleuchtung, zum Beispiel, ob es sich um Blitz-, Kunst- oder Gegenlicht handelt. Der Printer verwertet diese Daten und fertigt harmonischere Bilder. Die magnetisch gespeicherten Informationen auf jedem Film tragen dazu bei, daß der Verbraucher mehr gelungene Aufnahmen und bessere Bilder erhält.


Technik
Die Kameras haben einen Formatwahlschalter, mit dem zwischen drei Bildformaten, Classic-Bild (C), HDTVBild (H), Seitenverhältnis 16 : 9, und Panorama-Bild (P) gewählt werden kann. Wobei zu bemerken ist: das Negativformat bleibt unverändert, lediglich der Ausschnitt variiert. Classic wird sich zu Portraitaufnahmen anbieten, HDTV für Kunstgegenstände und Architektur, Panorama für Landschaften, große Plätze und ähnliches. Der Abbildungsmaßstab, verglichen mit dem Kleinbildobjektiv, benötigt nur vier Fünftel der Brennweite. Die Baulänge der Objektive wird dann, gleich wie die Brennweite, kürzer. Das hinwiederum gestattet es den Konstrukteuren, größere Lichtstärken bei gleichem technischen Aufwand zu berechnen. Vielleicht gibt es bereits zur Photokina neu berechnete Optiken.

Einfache Handhabung
Die neue Filmkassette hat automatische Funktionen. Es gibt keine herausragende Filmzunge mehr, der Film ist komplett geschützt in der Kassette. Jeder Film hat seine eigene Identifikationsnummer. Maschinen- und klarschriftlesbarer Aufdruck und Codierung sorgen für Automatisierung im Labor. Die "Drop-in"Einlegeautomatik garantiert ein automatisches, sicheres Filmeinlegen. Die Kassette zeigt durch Symbole an, ob der Film unbelichtet, teilbelichtet, vollbelichtet, nicht entwickelt oder bereits entwickelt ist. Einige Kameramodelle des neuen Systems erlauben es, teilbelichtete Filme zu wechseln. Eine einfache Handhabung mit zukünftiger Computerperipherie ist gewährleistet. Der Amateur wird, soweit Interesse und Hardware vorhanden, mit spezieller Software seine Bilder selbst "bearbeiten" können. Der Verbraucher bekommt zusätzlich zu seinen Bildern einen Index-Print, der alle Bilder, die auf dem Film sind, in Miniaturgröße zeigt. Der Index-Print enthält neben Datum und einzelner Bildnummer auch die Nummer des dazugehörigen Films oder der Filmkassette. Dies macht Nachbestellungen sehr einfach; das richtige Negativ oder die Filmkassette mit dem Film sind schnell dem entsprechenden Bild zugeordnet. Praktische Archivboxen werden bereits von hama angeboten. Ein besonderes Bonbon bietet Fuji mit seinem Photo- Player AP-1. Dieser eignet sich zum Abspielen von Bildern am Fernsehgerät. Der Fujifilm-Image-Scanner AS-1 dient zur Umwandlung von Fotos in digitale Daten für die Bearbeitung im heimischen PC. Innerhalb einer Minute kann das Gerät 25 Bilder mit einer Auflösung von 512 x 896 Pixel speichern.
Das A.P.S. ist eine gelungene Neuentwicklung. Vermutlich werden viele Amateure über kurz oder lang "umsteigen", sie werden es nicht bereuen.
Dr. med. Heinz Orbach

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