ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2001Die Präeklampsie: Eine Endothelerkrankung? H’enrichment-Prinzip

MEDIZIN: Diskussion

Die Präeklampsie: Eine Endothelerkrankung? H’enrichment-Prinzip

Dtsch Arztebl 2001; 98(8): A-472 / B-380 / C-358

Henrich, Johann

zu dem Beitragvon Priv.-Doz. Dr. med. Ernst BeinderDr. med. Wolfgang Frobeniusin Heft 41/2000
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LNSLNS Das Gefäßsystem der präeklamptischen Schwangeren ist sicher so pathologisch verändert wie es im Beitrag beschrieben wurde. Wie aber kommt es zu solchen Veränderungen bei jungen Frauen, die doch außerhalb der Schwangerschaft keine derartigen Gefäßläsionen zeigen?
Eine Theorie hierzu könnte das so genannte H’enrichment-Prinzip bilden. Das H’enrichment-Prinzip besagt, dass es besonders in der Schwangerschaft (aber auch in sehr geringem Maße außerhalb) zu einer Aktivierung der Fibroblasten durch die ansteigenden Östrogene kommt. Die Fibroblasten produzieren daraufhin nicht nur verstärkt kollagenes Bindegewebe, sondern auch mehr Proteoglykane um das Bindegewebe zu maskieren. 1 g der Proteoglykane kann 1 kg bis zu 10 kg Wasser binden. Die Folge ist bei fast allen Schwangeren zu beobachten: mehr oder weniger Ausbildung von Ödemen im gesamten Körper. Diese Ödeme bilden nicht nur die Grundlage zur Auflockerung und Elastizität der Gewebe für den Geburtsvorgang. Weit wichtiger bilden sie ein Notfalldepot für die körpereigene Autotransfusion nach der Geburt. Da es unter beziehungsweise nach der Geburt immer zu einem Blutverlust von circa 200 bis 400 ml kommt, im Einzelfall (pathologische Plazentalösung, Risse et cetera) die Gebärende auch schnell ein bis zwei Liter Blut verlieren kann, und sich damit das Risiko für einen Blutverlustschock erhöht, hat die Natur Vorsorge getroffen. Unmittelbar nach Ausstoßung der Plazenta fallen die Östrogene steil ab, die Fibroblasten stellen ihre Kollagen- und Proteoglykanproduktion wieder auf Normalwerte um und das bisher durch die Proteoglykane festgehaltene Wasser kann nun postpartal in das durch Blutverlust entleerte Gefäßsystem zurückfließen und so die Orthostasen aufrecht erhalten. Leider hat eine übermäßige Ödembildung in manchen Organen auch eine fatale Wirkung. In den Gefäßen kommt es zu obigen Veränderungen, die zusammen mit Ödembildung in der Niere zur Hypertonie beziehungsweise Proteinurie führen und damit zum Circulus vitiosus des Verlustes des osmotischen Drucks im Gefäßsystem mit Verstärkung des Wasserausstroms ins interzelluläre Gewebe. In der Leber führt dies zu Leberzellschäden mit Transaminasenanstieg beziehungsweise Leberdystrophie, im Bauchraum zur Aszitesbildung. Ödeme im Gehirn führen schließlich zu eklamptischen Anfällen.

Dr. med. Johann Henrich
Johannesstraße 45
24143 Kiel

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