ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2001Magnetresonanztomographisch gesteuerte laserinduzierte Thermotherapie von Lebermetastasen: Strahlentherapie – Alternativen zur LITT

MEDIZIN: Diskussion

Magnetresonanztomographisch gesteuerte laserinduzierte Thermotherapie von Lebermetastasen: Strahlentherapie – Alternativen zur LITT

Dtsch Arztebl 2001; 98(8): A-474 / B-381 / C-359

Zimmermann, Jörg S.

zu dem Beitrag von Prof. Dr. med. Thomas J. Vogl Dr. med. Martin G. Mack Dr. rer. nat. André Roggan in Heft 37/2000
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LNSLNS Ein Vorteil der laserinduzierten Thermotherapie (LITT) in der vorgestellten Technik gegenüber den älteren, zumeist nicht schnittbildgestützt durchgeführten Verfahren ist die schnittbild- und computergestützte Therapieplanung. Ein adäquates Therapiemonitoring erfolgt mittels posttherapeutischer Kernspinkontrollen. Interdisziplinarität in der Indikationsstellung und Therapieabstimmung werden von den Autoren groß geschrieben. Viele der heutzutage mit moderner Krebstherapie notwendigerweise zu nennenden Attribute sind erfasst. Auch der Wunsch der radiologischen Diagnostik, therapeutische Aufgaben zu übernehmen, kommt zum Ausdruck.
Die LITT ist jedoch nur eines von vielen verschiedenen Verfahren zur Erzeugung einer fokalen Nekrose, hier: in der Leber. Ein Überblick über die verschiedenen interstitiellen Verfahren zur Erzeugung umschriebener Gewebsnekrosen findet sich bei Masters et al. (1).
Im Vergleich der LITT zu bisher angebotenen klinischen Therapieverfahren werden zwei ebenfalls hochmoderne Methoden zur Behandlung einzelner Lebermetastasen völlig negiert:
Bei der extrakraniellen stereotaktischen Strahlenbehandlung (Radiochirurgie) der Leber handelt es sich um ein Verfahren, bei dem mit einem Linearbeschleuniger nichtinvasiv ebenfalls eine Tumorvernichtung von Lebermetastasen unterschiedlichen Ursprungs mit sehr hoher Präzision erreicht werden kann (2).
Die interstitielle schnittbild- und computergestützte Brachytherapie (Nahstrahltherapie) der Leber stellt die eigentliche direkte Konkurrenz zur LITT dar und ist unter den interstitiellen Therapieverfahren zur Erzeugung einer fokalen Nekrose eines der wirkungsvollsten Verfahren (1, 3, 4, 6, 7). Die Indikationen und Verfahrenswege sind nahezu identisch mit der LITT-Behandlung. Statt mit laserinduzierter Hitze wird mit ionisierender Strahlung, entweder mit Permanentstrahlern oder im Afterloadingverfahren eine gezielte Nekrose erzeugt oder aber das Tumorgewebe in mehreren Einzelschritten zerstört. Die interstitielle Brachytherapie hat hier-
bei gegenüber der LITT den Vorteil, dass die Toleranz des Lebergewebes gegenüber dem tumoriziden Agens bekannt ist, und die Dosimetrie sowie die technischen Voraussetzungen des Afterloading in vielen Abteilungen etabliert sind. Auch das Therapiemonitoring kann in LITT-adäquater Weise mit MRT erfolgen.
Die Ergebnisse der interstitiellen Brachytherapie liegen dabei in Abhängigkeit der Nachbeobachtungszeit im selben Bereich wie die der LITT. Der Grund für die trotz guter Ergebnisse mangelhafte Verbreitung der Brachytherapie liegt möglicherweise hauptsächlich in der vielerortens mangelhaften interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen radiologischer Diagnostik und Strahlentherapie. Durch eine verbesserte Zusammenarbeit der jeweiligen Fachvertreter würde eine für viele Patienten adäquate Therapie auf aktuellem medizinischen Standard zu einem Bruchteil der für die flächendeckende Weiterentwicklung der LITT notwendigen Kosten zur Verfügung stehen. Auch Kombinationstherapien sind natürlich denkbar.

Literatur beim Verfasser

Dr. med. Jörg S. Zimmermann
Institut für Strahlentherapie
Munich Radiation Cancer Center (CMRCC)
Karpatenstraße 6
81829 München
E-Mail: strahlenexpert@netscape.net

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