ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2001Myokardinfarkt: Sofortiger Einsatz von Statinen vorteilhaft

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Myokardinfarkt: Sofortiger Einsatz von Statinen vorteilhaft

Dtsch Arztebl 2001; 98(8): A-481 / B-386 / C-364

Blaeser-Kiel, Gabriele

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LNSLNS Wenn nach einem Myokardinfarkt innerhalb der ersten zwei Wochen die koronare Situation invasiv – per Angioplastie oder Bypassoperation – stabilisiert wird, ist die Letalität dieser Patienten im ersten Jahr nach dem Ereignis um 35 Prozent geringer als bei konservativem Management.
Um fast den gleichen Prozentsatz (34 Prozent) lässt sich die Prognose verbessern, wenn bereits in der Klinik die Sekundärprophylaxe mit einem Statin beginnt. Kommen die Patienten in den Genuss beider Maßnahmen, sinkt die Wahrscheinlichkeit, im ersten Postinfarktjahr zu sterben, sogar um 62 Prozent.
Diese Zahlen stammen aus der Dokumentation von 24 723 Patienten, die zwischen 1995 und 1998 mit einem akuten Myokardinfarkt in einer von 58 schwedischen Kliniken behandelt und dann über ein Jahr prospektiv nachbeobachtet worden waren. In 2 336 Fällen hatte man invasiv interveniert und in 6 273 Fällen bereits während des stationären Aufenthalts die antiatherosklerotische Behandlung eingeleitet. Für die statistische Berechnung des Einflusses dieser Strategien auf das Überleben der Patienten wurden 27 verschiedene demographische, anamnestische und klinische Variablen berücksichtigt.
Regeneration der Endothelfunktion
Mit diesem Register sei zum ersten Mal unter den Bedingungen des klinischen Alltags nachgewiesen worden, dass Patienten ganz erheblich davon profitieren, wenn sofort nach einem schwerwiegenden ischämischen Ereignis die Sekundärprophylaxe mit einem Statin begonnen werde, unterstrich der Initiator dieser Erhebung, Prof. Lars Wallentin (Uppsala), bei einem Symposium, das von dem Unternehmen MSD in Amsterdam veranstaltet worden war. Vorrangig eingesetztes Statin war Simvastatin (Zocor), das zuvor in der 4-S-Studie (Scandinavian-Simvastatin-Survival-Study) seinen prognoseverbessernden Effekt bei einer ähnlichen Patientenklientel unter Beweis gestellt hatte.
Allerdings hatten sich die Überlebenskurven zwischen Verum- und Kontrollgruppe erst nach etwa 18 Monaten getrennt. Die Diskrepanz zu den schwedischen Register-Daten hängt wahrscheinlich mit dem späteren Beginn der Therapie zusammen (frühestens sechs Monate nach einem Myokardinfarkt).
Es wird angenommen, dass der protektive Effekt der Statine in der instabilen Phase nach einer akuten Exazerbation des atherosklerotischen Geschehens weniger auf ihrer langfristig zum Tragen kommenden lipidregulierenden Potenz als vielmehr auf ihrer zusätzlichen und schnell einsetzenden endothelfunktion-regenerierenden und antiinflammatorischen Wirksamkeit beruht. In der „A to Z“-Studie (Aggrastat®, MSD, to Zocor®, Dieckmann) wird diese Hypothese zurzeit an 4 500 Patienten mit instabiler Angina pectoris überprüft.
In der A-Phase erhalten alle Studienteilnehmer den GP-IIb/IIIa-Rezeptorantagonisten Tirofiban zusätzlich zu Acetylsalicylsäure und – randomisiert entweder niedermolekulares oder unfraktioniertes – Heparin. Danach erfolgt in der Z-Phase die erneute Randomisierung zu sofortiger oder verzögerter (nach viermonatiger Placebogabe) Behandlung mit Simvastatin. Gabriele Blaeser-Kiel
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