ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2001Bankenhaftung: Zocker leben gefährlich

VARIA: Schlusspunkt

Bankenhaftung: Zocker leben gefährlich

Dtsch Arztebl 2001; 98(8): [84]

Rombach, Reinhold

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LNSLNS aMit gefallenen Kursen müssen sich derzeit viele Aktionäre herumplagen. Wer die Zeit hat, die Vermögensdellen auszusitzen, bei dem mögen die Nerven nicht gar so blank liegen, das Prinzip Hoffnung hilft einem ja ganz gut über die Runden.
Nun gibt es ja nicht wenige Anleger, die in massiven Anflügen investiver Schlauheit Aktien auf Kredit gekauft haben, in der Hoffnung, die ganz schnelle Mark zu machen. Die Geduld der Banken währte in diesen Fällen allerdings auch nur kurz und endete oft genug in der so genannten Zwangsliquidation, also dem Verkauf des Depots zu jedwedem Kurs. Pech gehabt, Schulden bleiben.
Diese rüde Haltung seines Kreditinstituts mochte ein Koblenzer nun gar nicht hinnehmen. Der Börsenfan kaufte auf Kredit 5 000 Klöckner-Aktien, und als das kursmäßig nicht gut ging, verlängerte die Bank einfach den Kredit nicht. Die Aktien wurden mit einem Verlust von 200 000 Mark verkauft. Der Kunde wurde daraufhin richtig böse und verklagte die Bank mit der kuriösen Begründung, sie hätte ihn, den ahnungslosen Aktiennichtkenner, auf das Kursrisiko hinweisen müssen, und zwar schon direkt bei der Kreditverhandlung. Da die Bank das aber unterlassen habe, müsse sie selbst für den Schaden aufkommen.
Dieser durchaus interessanten Einlassung mochte das Oberlandesgericht (OLG) Koblenz doch so nicht folgen und wies die Klage in Gänze ab. Auch der Bundesgerichtshof stellte klar, dass die Bank (jede Bank) zwar über die Kosten eines Kredits aufklären muss, keineswegs jedoch über das Risiko des Geschäfts, das der Kunde mit eben diesem Kredit finanzieren will.
In eine ähnliche Kerbe haut ein weiteres Urteil zur Bankenhaftung. Das Risiko massiver Verluste bei spekulativen Geschäften trägt grundsätzlich der Käufer, nicht jedoch die beauftragte Bank. Diese präzise Feststellung traf das OLG Oldenburg (Az.: 13 U 101/00), weil die Kundin einer Oldenburger Bank Philip Holzmann-Aktien gekauft hatte.
Die Norddeutsche kaufte die Aktien unmittelbar an den bekannten Kanzlerauftritt in den Medien, der Holzmann-Konzern sei gerettet. Die Anlegerin stieg daraufhin zu Höchstkursen ein. Die Hausse hielt nur wenige Tage und bescherte der Oldenburgerin einen herben Verlust. Den mochte sie nicht alleine tragen, die Bank habe sie schließlich nicht über das hohe Risiko aufgeklärt.
Gutes Fazit in beiden Fällen: Frechheit siegt doch nicht immer.
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