ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2001Haben Frauen kein Sitzfleisch?

VARIA: Schlusspunkt

Haben Frauen kein Sitzfleisch?

Dtsch Arztebl 2001; 98(8): [84]

Pfleger, Helmut

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LNSLNS Warum soll es bei einem deutschen Ärzteturnier grundlegend anders als im Deutschen Schachbund sein, wo nur vier Prozent der Mitglieder weiblichen Geschlechts sind? Selbst beim Rugby und Boxen ist der prozentuale Anteil der Frauen größer, nur auf Billard und Sportangeln haben sie aus unerfindlichen Gründen noch weniger Bock. Warum ist Schach, bei dem es nicht auf rohe Kraft ankommt, so wenig anziehend für Frauen?
Hören wir uns um!
„Frauen können nicht fünf Stunden still dasitzen“ oder, in poetischer Verkleidung, „Nie wird flüchtiger Geist das Schachspiel dauernd gewinnen. / Tieferen Denkens bedarf’s, um sich daran zu erfreuen: / Darum ist auch der Mann dem edlen Spiele gewogen. / Aber das tändelnde Weib schilt es Vergeudung der Zeit.“
Machohafte Sprüche voller Vorurteile? Mag sein, aber beide gehen auf Frauen zurück; Ersterer auf die französische Meisterin Chantal Chaude de Silans, der Zweite auf die österreichische Meisterin Paula Kalmar.
Sind Frauen auch im Schach dem Mann schlichtweg biologisch unterlegen, wie es Garry Kasparow postuliert? Er meint, sogar beim Simultanspiel gegen die besten Frauen gewinnen zu können, versteigt sich aber nicht zum Ausspruch des ehemaligen Weltmeisters Bobby Fischer: „Ich kann jeder Frau einen Springer vorgeben!“ Was Mihail Tal trocken kommentierte: „Fischer ist Fischer, aber ein Springer ist ein Springer!“
Und eine Frau ist eine Frau, kann man hinzufügen. Gerade das explizit so bezeichnete „Experiment“ der drei Polgar-Schwestern aus Budapest zeigt, dass Mädchen beziehungsweise Frauen bei entsprechender Förderung von früh auf im Schach zu gleichen Leistungen wie Männer fähig sind. Doch dann scheitern die allermeisten doch an der „Biologie“, wenn ihr Dasein nicht ausschließlich um Königsindische Verteidigung und isolierte Bauern kreist, sondern ins Familienleben einmünden will (so wie mittlerweile bei den Polgar-Schwestern).
Jetzt aber genug der Theorie, hinein ins pralle (Frauen-) Schachleben.
Sehen Sie, wie die junge Kollegin Dr. med. Tena Frank (mit „Weiß“ am Zug), die sogar schon den (männlichen!) Skalp des lettischen Großmeisters Gipslis am Gürtel hängen hat, bei der deutschen Damen-Ländermannschaftsmeisterschaft gegen A. Schwebbach mit einem kräftigen Schlag gewann?

Lösung:

Nach dem Springeropfer 1. Scxd5! war Schwarz schon verloren. Nach 1. . . . exd5 2. Sxd5 Df7 (noch schlimmer käme es nach 2. . . . Dd8 3. Dxg7 mit den entsetzlichen Drohungen Sf6+ und Dxh8) und jetzt der Springergabel 3. Sxc7+ war es bald aus.
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