ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2001zu Aktien: Bevor das Gras wächst . . .

VARIA: Schlusspunkt

zu Aktien: Bevor das Gras wächst . . .

Dtsch Arztebl 2001; 98(9): [56]

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Je mehr Analysten und Bankberater einen Titel gut finden, umso üppiger ist das prima Papierchen bereits in vielen Fondsdepots und Eigenhandelsbeständen gebunkert. Das kann man ganz gut sehen, wenn Sie sich einen Kursverlauf (Chart) von viel empfohlenen Aktien ansehen. Die gute Presse beginnt fast nie am Tiefpunkt, sondern kumuliert in der Nähe von Höchstständen. Gegen dieses Phänomen sind auch Wirtschaftsjournalisten der einschlägigen Anlagegazetten leider nicht gefeit.
Was wäre also die bessere Alternative? Klar, man müsste einfach nur die Aktien finden, die von der Börse noch nicht entdeckt wurden oder bei denen eine spezielle „Story“ nicht verstanden wurde. Dazu gehört neben dem Fachwissen freilich noch einiger Mut, und zwar ein gehöriger. Sich aus dem Fenster zu hängen, schief zu liegen und dann böse angesehen zu werden ist ja nicht jedermanns Sache. Ich will es gleichwohl versuchen.
Nun ist die RWE AG nicht gerade ein Wert, der von der Börse noch „entdeckt“ werden muss. Anders freilich ist es mit einem bestimmten neuen Geschäftszweig, der meines Erachtens von der Börse noch nicht so richtig verstanden wird. Das Essener Stromversorgungsunternehmen schickt sich nämlich an, Steckdosen zum Internetportal zu machen. Technisch ist die faszinierende Idee schon lange angedacht, aber bisher nur prinzipiell, zu schwierig schien die Wechselstromproblematik. Anscheinend deutet sich hier aber nun eine Lösung an.
Bereits im kommenden Monat sollen die ersten Produkte für Privatleute und kleine Gewerbetreibende auf der CeBit in Hannover vorgestellt werden. Internet über die Steckdose, wenn das wahr wird, dann ist der RWE-Kurs nicht mehr zu halten. Und auch nicht der von der schweizerischen Ascom AG, die mit dem Bau der notwendigen Modems beauftragt wurde.
Bei der Schwarz Pharma AG habe ich das Gefühl, dass auf dem Parkett des Wertpapierhandels zu sehr die Vergangenheit bewertet wird denn die Zukunft. Die Forschungspipeline wird derzeit mit dem Faktor Null bewertet, obwohl mit Rotigotine TDS ein viel versprechendes Depot-Medikament zur Parkinson-Behandlung soeben die Phase II abgeschlossen hat. Ein weiteres Präparat gegen Inkontinenz mit dem Arbeitstitel SPM 907 sollte für den Fall einer Zulassung auch ganz gute Marktchancen haben.
Fazit: Wer an der Börse rechtzeitig das Gras wachsen hört, kann später gut ernten, selbst wenn manchmal eben nur Unkraut dabei ist. Auf den Schnitt kommt es an.
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