ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2001Akutes Lungenversagen: Hilfe durch partielle Flüssigkeitsbeatmung

AKTUELL: Akut

Akutes Lungenversagen: Hilfe durch partielle Flüssigkeitsbeatmung

Dtsch Arztebl 2001; 98(9): A-497 / B-400 / C-377

Schattenfroh, Silvia

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LNSLNS Ein Patient mit akutem Lungenversagen ist an der Klinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin der Berliner Charité mithilfe der „partiellen Flüssigkeitsbeatmung“ gerettet worden. Das Konzept der Flüssigkeitsbeatmung wurde bereits in den 60er-Jahren in den USA entwickelt. In Erinnerung an die Entwicklung im Mutterleib, währenddessen die Lungen mit Flüssigkeit gefüllt sind, wurde postuliert, dass der Gasaustausch von Sauerstoff und Kohlendioxyd auch über Flüssigkeiten möglich sein müsste. Im Tiermodell konnte dann demonstriert werden, dass eine Maus in einem flüssigkeitsgefüllten Gefäß nicht ertrank, sondern ohne Zeichen von Atemnot unter der Oberfläche schwamm. Des Rätsels Lösung: Die Flüssigkeit gehörte zu den farb- und geruchlosen Perfluorkarbonen (PFC) – also Kohlenwasserstoffverbindungen, die Atemgase wie Sauerstoff und Kohlendioxyd in hohem Maße aufnehmen können.

Die Perfluorkarbone fanden deshalb großes Interesse bei Tauchern, beim Militär und in der Intensivmedizin. Für die Behandlung von Menschen ist schließlich im Jahre 1991 die „partielle Flüssigkeitsbeatmung“ entwickelt worden, die in den USA bei Neugeborenen schon mehrere Hundert Mal, bei Erwachsenen jedoch erst in Einzelfällen angewendet worden ist. Der Berliner Patient wurde im Rahmen der ersten internationalen Phase-III-Studie behandelt, die zum Ziel hat, die „partielle Flüssigkeitsbeatmung“ beim Erwachsenen mit akutem Lungenversagen zu untersuchen. Bei der Flüssigkeitsbeatmung werden speziell für medizinische Zwecke geeignete Perfluorkarbone in die Lungen gefüllt. Da die PFC doppelt so schwer wie Wasser sind, erweitern sie allein durch ihr Gewicht die Alveolen.

Für den Berliner Patienten wurden etwa anderthalb Liter Flüssigkeit verwendet. Dabei sorgte ein Standard-Beatmungsgerät für den Gasaustausch. Da Perfluorkarbone flüchtig sind (der Patient atmet sie ab), muss die Flüssigkeit ständig nachgefüllt werden. Die benötigte Menge richtet sich nach dem Atemvolumen pro Minute. Vorteilhaft für die erkrankte Lunge ist außerdem, dass die maschinelle Beatmung bei der partiellen Flüssigkeitsbeatmung mit weitaus geringeren Drücken auskommt als die Standard-Überdruckbeatmung, die bisher beim Atemnotsyndrom eingesetzt wird. Die Behandlung erfolgte fünf Tage lang. Dr. med. Silvia Schattenfroh
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