ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2001Infobörse für angehende Ärztinnen und Ärzte: Wieder erfreulichere Aussichten

POLITIK

Infobörse für angehende Ärztinnen und Ärzte: Wieder erfreulichere Aussichten

Dtsch Arztebl 2001; 98(9): A-513 / B-432 / C-407

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LNSLNS Orientierung für den weiteren Berufsweg vermittelte eine Veranstaltung der Ärztekammer Westfalen-Lippe, die sich damit auch als Serviceeinrichtung für Ärzte präsentierte.


Zufriedene Gesichter bei den künftigen Ärztinnen und Ärzten, die der Einladung der Ärztekammer Westfalen-Lippe zu einer „Infobörse“ ins Ärztehaus Münster gefolgt waren. Dafür gab es vermutlich gleich zwei Gründe: Zum einen nahmen die – in der Mehrzahl noch – Studierenden mit Interesse die gelungene Selbstdarstellung der Ärztekammer sowie die vielen praktischen Tipps zum Berufseinstieg zur Kenntnis; zum anderen zeigten die vorgestellten Daten zum Arbeitsmarkt, dass die noch kürzlich entwickelten Zukunftsszenarios Zehntausender arbeitsloser Ärzte zurzeit einer realistischen Grundlage entbehren. Vielmehr scheint das Pendel bereits in die andere Richtung umgeschlagen zu sein.
Auf der Suche nach AiP-Stellen können sich gegenwärtig im Bereich der Ärztekammer Westfalen-Lippe die Ärzte ihren Arbeitsplatz aussuchen. Auf 15 bei der Kammer gemeldete AiP-Suchende kämen hier 300 Stellenangebote, sagte der Präsident der Ärztekammer, Dr. med. Ingo Flenker. Er geht davon aus, dass infolge des Arbeitszeit-Urteils des Europäischen Gerichtshofs vom 3. Oktober 2000 viele zusätzliche Stellen für Ärzte an Krankenhäusern geschaffen werden. Die Gelegenheit dazu sei günstig, da sowohl der Marburger Bund als auch die Krankenhausträger im Zuge der Umstellung auf die Diagnosis Related Groups (DRG) bei der Einbringung von Personal-Mehraufwand in die neuen Pauschalen ein gemeinsames Interesse hätten. „Wenn das EuGH-Urteil auch nur annähernd umgesetzt wird, werden gar nicht genug Ärzte da sein, um die Lücken zu füllen“, gab Dr. med. Theodor Windhorst, Mitglied des Vorstands, den jungen Medizinern mit auf den Weg.
Die „Infobörse“ bot den rund hundert zukünftigen Ärzten die Gelegenheit, sich umfassend mit den Aufgaben und Pflichten ärztlicher Selbstverwaltung vertraut zu machen. Während des Studiums spielte dieser Bereich des späteren Berufslebens kaum eine Rolle, doch mit der AiP-Phase vor Augen wachse das Bedürfnis nach Informationen über die künftige Einbindung in die Kammerstrukturen. Gefragt waren vor allem die am Stand der Ärztekammer Westfalen-Lippe bereitgehaltenen Informationen zur Weiterbildung und die Fortbildungsangebote der Akademie für ärztliche Fortbildung. Aber auch die Ärzteverbände (Hartmannbund, Marburger Bund und NAV-Virchowbund) nutzten im Rahmen der „Infobörse“ die Gelegenheit, die Teilnehmer über ihre berufspolitischen Schwerpunktthemen zu informieren.
Flenker sieht durch die Teilnehmerzahl die Annahme bestätigt, dass sich in den vergangenen Jahren die Einstellung der nachrückenden Ärzte zur Ärztekammer Westfalen-Lippe gewandelt habe. Sie werde nicht als lästige Pflichtorganisation angesehen, sondern als Service-Einrichtung im Dienst ihrer Mitglieder. Im Interesse der Mitglieder sei es auch, wenn sich seine Ärztekammer beim 104. Deutschen Ärztetag im Mai in Ludwigshafen für eine weitreichende Deregulierung der Weiter­bildungs­ordnung einsetze. Es müsse Schluss sein mit „dem einem ,Rabattmarkensystem‘ ähnelnden Qualifizierungsmarathon“. Die Ärzte in spe rief er dazu auf, aktiv in der Selbstverwaltung mitzuwirken. „Denn Kammerarbeit ist keine bloße Lobby-Veranstaltung, sondern gestaltende, berufs- und gesundheitspolitische Arbeit im Dienste von Kollegen und Bürgern.“
Bei allem Interesse an den berufspolitischen Themen – besonders aufmerksam hörten die Teilnehmer der Infobörse zu, wenn es um konkrete Hilfestellung beim Einstieg ins ärztliche Berufsleben ging, wie zum Beispiel bei den Referaten zur Ärzteversorgung Westfalen-Lippe und zur Gestaltung der AiP-Phase. Thomas Gerst


Im Gespräch mit Teilnehmern der „Infobörse“: Kammerpräsident Ingo Flenker, Hauptgeschäftsführer Jörg-Erich Speth und Vizepräsident Hans-Jürgen Thomas (von links)


´Tabelle
Arbeitslos gemeldete Ärzte:
1999: 8 000 2000: 7 300 = – 8,8 %
Stellenzugang bei der Zentralstelle
für Arbeitsvermittlung:
1999: 8 000 2000: 8 600 = + 7,5 %
Zunahme bei den Stellen-
anzeigen im Deutschen Ärzteblatt
von 1999 bis 2000:
Oberarztausschreibungen + 20 %
Facharztausschreibungen + 30 %
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