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Nachgefragt

Dtsch Arztebl 2001; 98(9): A-525 / B-425 / C-401

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LNSLNS DÄ: Herr Dr. Späth, Sie sagen, es gibt noch keine Prototypen für integrierte Versorgungsstrukturen. Sind die vielen Ärztenetze auf dem falschen Weg?
Späth: Die Richtung stimmt schon. Der Zusammenschluss von Ärzten ist aber nur ein erster Schritt auf dem Weg zu einem integrierten Versorgungsvertrag. Werden zum Beispiel kombinierte Budgets angestrebt, muss man sich auch auf ein Modell zur Budgetbereinigung für Arznei- und Heilmittel einigen. Dies ist eine äußerst schwierige Materie, für die wir als KBV in Kürze einen praktikablen Vorschlag machen werden. Die Frage der Budgetbereinigung wird die entscheidende bei der Entwicklung eines Prototypen zur integrierten Versorgung sein. Das Problem ist erfolgversprechend aber nur dann zu lösen, wenn sich Praxisnetzbetreiber, Krankenkassen und KVen schon in einer frühen Phase an einem Tisch zusammensetzen.

DÄ: Woran müsste sich ein solcher Prototyp orientieren?
Späth: Alle müssen einen Vorteil verspüren, sonst hält der beste Vertrag nur eine kurze Zeit. Die Patienten wollen eine besser strukturierte, qualitätsgesicherte Versorgung und einen finanziellen Vorteil erhalten. Die beteiligten Ärzte wollen mindestens eine bessere Kalkulierbarkeit ihrer künftigen finanziellen Situation erreichen. Für sie ist aber auch die Qualität ihrer Arbeitssituation von großer Bedeutung: Sie wollen wieder in erster Linie ärztlich tätig sein können. Die Krankenkassen interessieren sich vor allem für finanzielle Vorteile und die Verbesserung ihrer Wettbewerbssituation.
Die KVen müssen Sorge tragen, dass ihre Mitglieder, die die „normale“ Versorgung sicherstellen, nicht benachteiligt werden. An diesen Prämissen wird sich die Entwicklung von Prototypen orientieren müssen. In Hamburg arbeiten wir bereits an einem entsprechenden Modell, das wir in den nächsten Monaten vorstellen werden.

DÄ: Wenn Krankenhäuser und Vertragsärzte den neuen Markt entdecken, lässt sich dann überhaupt noch ein destruktiver Verdrängungswettbewerb verhindern?
Späth: Ich meine, ja. Ich setze auf einen konstruktiven Wettbewerb im Sinne von Einkaufsmodellen von niedergelassenen und Krankenhaus-Ärzten.
Unter Moderation der KVen könnten niedergelassene Ärzte und ermächtigte Krankenhausärzte gemeinsam bedarfsgerechte, effektive und – im Vergleich mit anderen künftig auf den Markt drängenden freien Anbietern – kostengünstigere Verkaufsstrukturen entwickeln und dabei die vorhandenen Ressourcen nutzen. Niedergelassene und Krankenhaus-Ärzte sind in diesem Markt die natürlichen Verbündeten, weil sie sich beide an derselben Zielgruppe – den Patienten – ausrichten.
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