ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2001Patientenrechte: Kriterien definieren

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Patientenrechte: Kriterien definieren

Dtsch Arztebl 2001; 98(9): A-527 / B-442 / C-417

Malcomess, Rita; Kunz, Hans-Detlev

Zu dem Beitrag „Wie findet man die Richtigen?“ von Sabine Rieser in Heft 49/2000:
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LNSLNS Das deutsche Gesundheitswesen ist dominiert durch ein Kartell der Leistungsanbieter und Kostenwalter. Immer wenn Kartelle gestört werden, ist deren Reaktion besonders heftig. Dies scheint sich bei der Diskussion über die Legitimation der Vertretung von Patienteninteressen deutlich zu bestätigen. Ärzteverbände, Kassenärztliche Vereinigungen, der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie, der Verband der Forschenden Arzneimittelhersteller, alle kümmern sich um die Frage der Legitimation genauso wie Verbraucherverbände. Jeder nimmt für sich in Anspruch, den Patienten zu kennen, neutral und unabhängig zu sein. Wenn diese Organisationen sich selber prüfen würden, dürfte feststehen, dass im Sinne von Patienten weder Unabhängigkeit noch Neutralität gegeben sein kann.
Das Lager der so genannten Patientenvertretungen ist bizarr, reicht die Spanne doch von einem „Ein-Mann-Verband“ bis zu bundesweiten Patientenselbsthilfeverbänden. Demzufolge wird, und dies wiederholen Sie selbstverständlich, auch die Frage der Gefahr der Unterwanderung von Selbsthilfegruppen durch Firmen oder Verbände problematisiert. Die Diskussion wird gleichfalls von unreflektierter Verwendung der Vokabeln „Neutralität“ und „Unabhängigkeit“ begleitet. Dabei gehört nach Auffassung des Deutschen Psoriasis-Bundes, der legitimiert ist, die Interessen von Menschen mit Schuppenflechte zu vertreten (wer widerspricht?), nicht viel dazu, die Spreu vom Weizen zu trennen.
Legitimierte Organisationen müssen zum Beispiel ein originäres Interesse und Wissen über die Probleme der Patienten im täglichen Leben haben. Die verkürzte Darstellung der Patientenvertretung für (nur) „Patientenrechte“ negiert das große Spektrum von Aktivitäten für Patienten vor und nach den professionellen Versorgungssystemen. Diese werden bisher nur von den gesundheitlichen Selbsthilfeorganisationen im angegebenen Sinne überwiegend privat geleistet und finanziert.
Wir fordern deshalb auch von der Bundes­ärzte­kammer, Kriterien zu definieren und zu diskutieren.
Rita Malcomess, Hans-Detlev Kunz, Deutscher Psoriasis Bund
e.V., Oberaltenallee 20 a, 22081 Hamburg
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