ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2001Hausarzt: Viele Handicaps

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Hausarzt: Viele Handicaps

Dtsch Arztebl 2001; 98(9): A-528 / B-428 / C-404

Aurich, Gunther

Zur Vereinbarung zur Förderung der Allgemeinmedizin:
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LNSLNS Die Vereinbarung zur Förderung der Allgemeinmedizin versucht, das Pferd von hinten aufzuzäumen. Wichtig sind doch nicht nur der Ausbildungsweg, sondern viel wichtiger ist doch das, was nach der Ausbildung wartet. Und solange an diesem Zustand nichts geändert wird, werden weiter Hausarztpraxen gerade auf dem Land eingehen. Wer ist denn noch bereit, sich in vielen Dingen kostenlos aus Idealismus zu opfern, gerade wenn man schon Familie und Kinder hat? Wer lässt sich freiwillig für kostenlos erbrachte Leistungen noch einen Fußtritt seiner eigenen KV verpassen? Wer ist bereit, ohne irgendeinen Ausgleich Residenz- und Präsenzpflicht auf sich zu nehmen? Untersuchungen werden aus dem Leistungskatalog ausgegliedert, die „Basisversorgung“ gerät immer mehr in den Ruf der Barfußmedizin. Auch die begrenzte Kollegialität mancher Fachkollegen trägt sicher nicht zur Berufszufriedenheit bei. Bei Notfällen darf man zu jeder Tages- und Nachtzeit auf der Matte stehen, die Vergütung dafür ist im Vergleich zu jeder anderen Berufsgruppe geradezu jämmerlich. Warum wird denn soviel über „Patientenberatungsstellen“ geredet und viel Geld ausgegeben, wo das doch eigentlich eines der Kernstücke hausärztlicher Versorgung ist? Warum wird es dem Hausarzt nicht entsprechend vergütet? Wenn ein ausführliches Aufklärungsgespräch unter betriebswirtschaftlichen Aspekten beim Hausarzt so unrentabel ist wie zurzeit, findet es verständlicherweise weniger statt. Wenn es zunehmend nicht stattfindet, werden diejenigen, die es aus Idealismus durchführen und ehrlicherweise in der Abrechnung angeben, vor die Wirtschaftlichkeitsprüfung der KV zitiert: „Weil man ja so deutlich über dem Durchschnitt liegt.“ Ist denn wirklich jemand der Meinung, solange die vielen Handicaps bestehen, würde die „Allgemeinmedizin“ gerade auf dem Land so attraktiv, dass ausreichend Nachwuchs gerade diesen Weg beschreitet?
Ich habe Verständnis dafür, wenn Berufseinsteiger bei diesen Rahmenbedingungen frühzeitig die Tragfähigkeit ihres eigenen Idealismus realistisch einschätzen und ihre Weichen anders stellen in Anlehnung an den Werbespruch einer bekannten Elektrogroßhandelskette: „Allgemeinmedizin – ich bin doch nicht blöd!“
Dr. med. Gunther Aurich, 54317 Gusterath
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