ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2001Gesundheitsreform: Kritik vermisst

BRIEFE

Gesundheitsreform: Kritik vermisst

Dtsch Arztebl 2001; 98(9): A-528 / B-428 / C-404

Pfeifer, Andreas

Zu dem Kommentar „Mehr Geld ins System!“ von Traugott Heil in Heft 4/2001:
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LNSLNS Aufgrund der Überschrift hatte dieser Artikel mein Interesse erregt, weil ich eine Antwort auf die mich bewegenden Probleme bei der Patientenversorgung suchte. Nach der anfänglichen Aufzählung der Reforminhalte des Gesundheitsstrukturgesetzes erwartete ich eine kritische Kommentierung und begriff dann, dass diese unerträgliche Reform hier als normal und gegeben, keinesfalls kritisch gesehen wird. Patientenbegleitbriefe sollten selbstverständlich sein. Sind sie wirklich immer nötig? Muss der Patient mit klaren Leiden und klarer Therapie noch zu einem weiteren Kollegen in ein volles Wartezimmer? Warum werden die Briefe, wenn sie so wichtig sind, mit lediglich 40 Punkten (Kurzer Untersuchungsbericht, EBM Nummer 74, bei 4 bis 8 Pfennig pro Punkt 1,60 bis 3,20 DM) beziehungsweise 80 Punkten (Arztbrief, EBM Nummer 75, bei 4 bis 8 Pfennig pro Punkt 3,20 bis 6,40 DM) vor Budgetierung (nach Budgetierung 0,00 DM) bezahlt?
Dass Medizinstudenten Wirtschaftlichkeitsreserven sehen, soll Kompetenz vermitteln. Ist es dies? Ich hatte als Student gewiss nicht den nötigen Sachverstand – woher auch?
Die Laborreform habe erhebliche Einsparungen erbracht. Was ist mit der Qualität geworden? Wie viele Behandlungsfehler gibt es dadurch?
Sind Praxisschlusszeiten am Ende des Quartals ein Missbrauch? Wer wird am Quartalsende mein Auto kostenlos reparieren? Auch in der sprechstundenfreien Zeit muss ein ärztlicher Ansprechpartner zur Verfügung stehen! Das tut er ja, dank des Sicherstellungsauftrags in Deutschland immer und überall, solange es diesen gibt – inzwischen allerdings ohne angemessene Vergütung. Jeder Arzt sollte sich in Bezug auf seine Kostenanalyse kontrollieren. Wo bleibt die Menschlichkeit? Soll ich jetzt als Urologe alle Patienten mit Prostatakrebs kastrieren, weil das wesentlich kosteneffektiver als die Applikation von LHRH-Analoga ist? Sollen moribunde Patienten aus meiner Praxis ausgegrenzt werden? Wollen wir das vielleicht alles durch ein teures bürokratisches Regelwerk erfassen und überwachen, bis gar keine Zeit und gar kein Geld mehr für den Patienten zur Verfügung steht? Was ist mit Tarmed? Ist dieser überhaupt in der Praxis erprobt? Ist der geplante neue EBM nicht ohnehin auf dessen Basis entworfen? . . .
Dr. med. Andreas Pfeifer, Kernerstraße 13, 74189 Weinsberg
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