ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2001Praxis der therapeutischen Lokalanästhesie und Neuraltherapie

BÜCHER

Praxis der therapeutischen Lokalanästhesie und Neuraltherapie

Dtsch Arztebl 2001; 98(9): A-530 / B-445 / C-420

Kokemohr:, Heribert

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LNSLNS Lokalanästhesie
Nachschlagewerk
Heribert Kokemohr: Praxis der therapeutischen Lokalanästhesie und Neuraltherapie. Springer-Verlag, Berlin, Heidelberg u. a., 2000, VIII, 318 Seiten, 397 Abbildungen, gebunden, 98 DM
In dieser ausführlichen Übersicht zur therapeutischen Lokalanästhesie (TLA) werden im ersten Teil die physiologischen Grundlagen der Schmerzwahrnehmung und Weiterleitung dargelegt. Der Bezug zwischen der Physiologie und den theoretischen Grundlagen der TLA wird immer wieder gesucht. Der Ansatz einer naturwissenschaftlichen Begründung der TLA wird aber schnell wieder aufgegeben, wenn zum Beispiel der Zusatz eines Homöopathikums zur Lokalanästhesie oder der Einsatz einer Mischinfusion mit Lokalanästhetika, Acetylsalicylsäure, Steroiden und Vitamin B empfohlen wird. Schon die grundlegende Voraussetzung, dass das Bindegewebe das Ziel aller auf den Körper einwirkenden Noxen und damit der Auslöser vieler chronischer Erkrankungen sei, ist aus naturwissenschaftlicher Sicht kaum haltbar.
Im zweiten Teil werden die einzelnen Indikationen und Blockadetechniken nach Körperregionen geordnet dargestellt. Indikation, Anamnese und Befund werden den Injektionen und Blockaden und Hinweisen auf mögliche Komplikationen gegenübergestellt. Die sorgfältige und schematische Auflistung wird durch zahlreiche grafische Darstellungen und Fotografien ergänzt.
Die Darstellung der TLA ist sehr praxisorientiert und zeigt das herausragende Engagement des Autors für die TLA. Allerdings wird in der Therapie chronischer Schmerzen heute zunehmend Wert auf eine multidisziplinäre Zusammenarbeit in der Diagnostik und Therapie gelegt und vor allem auf die parallele Beachtung von psychosomatischen und somatischen Gesichtspunkten im Sinne eines biopsychosozialen Schmerzmodells. Überlegungen zum Arzt-Patient-Verhältnis oder zum Placeboeffekt bei einer Injektionsbehandlung haben im Buch keinen Eingang gefunden. Psychosomatische Zusammenhänge in der Entstehung und Unterhaltung von chronischen Schmerzen kommen nur ganz am Rande vor.
Das Buch ist hervorragend geeignet als Handbuch oder Nachschlagewerk für Ärzte, die TLA praktizieren. Die wissenschaftliche Diskussion um den Wert der Neuraltherapie und der therapeutischen Lokalanästhesie wird durch dieses Buch jedoch nicht gefördert. Lukas Radbruch
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