ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2001Demenz: Risperdal beeinflusst Verhaltensstörungen

VARIA: Wirtschaft - Aus Unternehmen

Demenz: Risperdal beeinflusst Verhaltensstörungen

Dtsch Arztebl 2001; 98(9): A-553 / B-486 / C-446

EB

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Etwa 90 Prozent aller Demenzerkrankten entwickeln im Verlauf ihrer Erkrankung Verhaltensstörungen. Zu den häufigsten Symptomen zählen Unruhe/Erregung, Aggression, Wahn, Halluzination und Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus. Mit der Zulassung von Risperidon (Risperdal®/Janssen-Cilag und Organon) für die Indikation Verhaltensstörungen bei Demenz ist man den Forderungen der Fachgesellschaften* nach einer wirksamen und verträglichen Therapie einen Schritt näher gekommen.
Prof. Alexander Kurz (München) stellte die Daten von 4 499 dementen Patienten mit Verhaltensstörungen vor, die über acht Wochen lang in niedergelassenen Praxen mit Risperidon behandelt wurden. Bereits nach zwei Wochen zeigte sich unter Risperidon eine signifikante Besserung der dokumentierten Leitsymptome Erregung, Aggressivität, Schlaf-Wach-Rhythmus, sozialer Rückzug, krankhaftes Misstrauen und Wahn. Mehr als 90 Prozent der behandelnden Ärzte beurteilten den Zustand der Patienten unter Risperidon als deutlich besser (54 Prozent) oder besser.
Als Vormedikation wurden in der Mehrzahl Melperon, Haloperidol und Dipiperon verabreicht. Eine Umstellung auf Risperidon erfolgte vor allem bei den niederpotenten Neuroleptika Melperon und Dipiperon aufgrund von mangelnder Wirksamkeit, bei dem hochpotenten Neuroleptikum Haloperidol zusätzlich wegen extrapyramidal-motorischer Störungen und anderer unerwünschter Ereignisse. Unabhängig von der Vormedikation erwies sich eine niedrige Dosis von Risperidon in der Therapie von Verhaltensauffälligkeiten dementer Patienten als gut wirksam und gut verträglich. Die Daten der Anwendungsbeobachtungen sind konsistent mit den Ergebnissen der klinischen Zulassungsstudien.
Schlaf-Wach-Rhythmus
Bereits in früheren Studien konnten Effekte von Risperidon auf den Schlaf-Wach-Rhythmus festgestellt werden. Prof. Göran Hajak (Regensburg) stellte die Ergebnisse dieser Untersuchungen vor. In einer tierexperimentellen Vergleichsstudie zeigte sich, dass Risperidon in niedriger Dosierung im Gegensatz zu Haloperidol zu einer Zunahme des Tiefschlafs führt, ohne den Wachzustand zu beeinflussen. Auch in Untersuchungen mit schizophrenen Patienten konnte eine objektiv verbesserte Schlafqualität unter Risperidon dokumentiert werden.
Diese positiven Effekte niedriger Dosierungen von Risperidon auf den gestörten Schlaf-Wach-Rhythmus erweisen sich insbesondere bei dementen Patienten als therapieimmanent, da dies eines der häufigsten Begleitsymptome der Demenz ist. Nächtliche Unruhe und Umherwandern der Patienten sind eine gravierende Belastung für die Pflegenden. Durch das Fehlen anticholinerger Effekte und Tagesmüdigkeit wird der intellektuelle Abbau nicht verstärkt, und Mobilität und Aktivität der älteren Menschen bleiben bestehen. EB



*DGG: Deutsche Gesellschaft für Geriatrie; DGGP: Deutsche Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie; DGGG: Deutsche Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie e.V.
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema