ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2001Non-Hodgkin-Lymphome: Therapie-Kombination mit Antikörper geprüft

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Non-Hodgkin-Lymphome: Therapie-Kombination mit Antikörper geprüft

Dtsch Arztebl 2001; 98(9): A-554 / B-453 / C-425

Leinmüller, Renate

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LNSLNS Nach 20 Jahren ist der „Goldstandard“ in der Chemotherapie aggressiver Non-Hodgkin-Lymphome (NHL) durch ein verkürztes, dosisintensiviertes Schema für Patienten über 60 Jahre abgelöst worden. Daneben zeichnen sich bei der Kurzzeitbeobachtung therapeutische Fortschritte infolge der zusätzlichen Gabe des monoklonalen Antikörpers Rituximab zur bisher gängigen Chemotherapie ab.
Beim Lymphom-Kongress hat die deutsche Studiengruppe für hochmaligne NHL (DSHNHL) mit einer großen Untersuchung den Beweis dafür erbracht, dass mit einer Verkürzung der Chemotherapieintervalle des gängigen CHOP-Schemas (Cyclophosphamid, Doxorubicin, Vincristin, Prednisolon) von drei auf zwei Wochen bei Einsatz von G-CSF höhere Raten von Komplettremissionen (74 versus 56 Prozent) bei Patienten über 60 Jahren erzielt werden.
Wie Prof. Lorenz Trümper (Göttingen) bei einer Veranstaltung der Roche Pharma in Frankfurt/Main ausführte, verbessert sich dabei auch die Ein-Jahres-Überlebensrate – und zwar in einem ähnlichen Ausmaß wie bei der Kombination des bisherigen CHOP-Schemas mit Rituximab.
Rituximab, ein rekombinanter monoklonaler Antikörper, wirkt über andere Mechanismen als die konventionellen Chemotherapeutika: Er richtet sich gegen ein bestimmtes Oberflächenantigen (CD20), das auf Zellen der B-Linie und in mehr als 95 Prozent der Fälle von NHL – nicht aber auf Stammzellen – exprimiert wird, und zerstört diese Zellen über komplexe Mechanismen. Die Substanz, als MabThera® im Handel, ist zur Therapie rezidivierter oder refraktärer follikulärer NHL zugelassen. Nach Angaben von Prof. Michael Pfreundschuh (Homburg/Saar) zeichnet sich Rituximab durch eine gute Verträglichkeit aus und verstärkt die Toxizität der Chemotherapie nicht. Da der Antikörper bei verschiedenen Arten von NHL gute Wirksamkeit zeigte, lag eine Kombination mit der klassischen Chemotherapie bei aggressiven NHL nahe.
Durch die Kombination stieg bei Patienten über 60 Jahre mit aggressivem NHL die Ein-Jahres-Überlebensrate von 68 auf 83 Prozent, die Zahl der Vollremissionen von 60 auf 76 Prozent; die primäre Progression sank von 21 auf acht Prozent. Obwohl zu erwarten ist, dass sich die höhere Rate an Komplettremissionen in verlängerte Überlebenszeiten umsetzt, ist dieser Rückschluss aus den Einjahresdaten nicht gerechtfertigt.
Um den Stellenwert der Kombination eindeutig zu beurteilen, müssten, betonte Pfreundschuh, Langzeiteffizienz und Heilungsraten nach fünf Jahren abgewartet werden. Weitere offene Fragen sind die Ergebnisse bei Patienten, die jünger als 60 Jahre sind, bei denen beispielsweise das verkürzte CHOP-Regime keine Vorteile bringt. Zu prüfen sei seiner Ansicht nach bei älteren Patienten auch die Kombination des Antikörpers mit diesem neuen Chemotherapieschema. Erst dann werde geklärt sein, welche Patienten mit aggressivem NHL von der Kombination am meisten profitieren. Dr. Renate Leinmüller


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